Frank U. Montgomery/Präsident Weltärztebund und seine „Weisheiten“: Flüchtlinge übernormal gesund, Mindestabstand statt Maske

Guten Morgen liebe Hessen,

Frank Ulrich Montgomery ist Facharzt für Radiologie und derzeit Präsident des Weltärztebundes. Von 2011 bis 2019 war er Präsident der Bundesärztekammer. Hin und wieder meldet er sich bei medizinischen Themen zu Wort, meist mit fragwürdigen Kommentaren. Aktuell hat er die Maskenpflicht in Deutschland als „lächerlich“ bezeichnet. Begründung: die Träger würden zu schnell vergessen, dass der Mindestabstand die eigentlich entscheidende Schutzmaßnahme ist. Mehr noch: bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken gefährlich werden, denn „im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut, schneller könne man sich kaum infizieren“. Der Präsident trägt zwar selbst eine Maske, aber nur „aus Höflichkeit und Solidarität“ verkündete er der Düsseldorfer Rheinischen Post (1). Natürlich ist der Abstand wichtig, aber eben nicht immer einzuhalten. Wer in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt, hat zwangsläufig engen Kontakt mit anderen, ebenso jeder, der ein öffentliches Verkehrsmittel nutzt. Und da ist eine Maskenpflicht in jedem Fall sinnvoll. Aber das weiß der Präsident vielleicht nicht, weil er in seiner Villa residiert und mit dem Dienstfahrzeug chauffiert wird.

Beweise seiner fachlichen Kompetenz hat Montgomery aber schon früher geliefert. So behauptete er Ende 2015 – zum Zeitpunkt der Flüchtlingskrise – ernsthaft, „die Flüchtlinge sind übernormal gesunde Menschen“. Was er darunter versteht, erläuterte er nicht. Aber er führte aus, dass Flüchtlinge „für das Gesundheitssystem deutlich günstiger als Deutsche, weil es sich meist um junge, gesunde Männer handelt“. Diese würden „keine Infektionskrankheiten einschleppen und es kämen auch keine chronisch Kranken“. Die durchschnittlichen Gesundheitskosten eines Asylbewerbers liegen bei 2.300 Euro, mithin 600 Euro weniger als bei einem Deutschen (2). Heute wissen wir, was der Kammerpräsident 2015 auch schon hätte wissen können, dass sehr wohl Infektionskrankheiten eingeschleppt werden (z.B. Tuberkulose) und auch chronisch Kranke kommen. Zum Beispiel psychisch Erkrankte, die nach einer Straftat untersucht und auf Dauer in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurden. Und auch der Vergleich der Gesundheitskosten von Asylbewerbern (2.300 Euro) mit dem Durchschnittsbürger (2.900 Euro) ist unsinnig. Denn die Kosten von Asylbewerbern sind höher als die einer Vergleichsgruppe (gleiches Alter und Geschlecht) aus der Bevölkerung. Was der Präsident aber – vermutlich bewusst – unterschlägt: der Deutsche zahlt für seine Gesundheitskosten Beiträge in die Krankenkasse ein (und zwar im Durchschnitt genau die 2.900 Euro, die er in Anspruch nimmt), der Asylbewerber jedoch nicht.

Aber Flüchtlinge genießen bei ihm offensichtlich ohnehin einen Sonderstatus. So hat sich der Präsident gegen umfassende Alterstests bei Asylbewerbern ausgesprochen: „wenn man das bei jedem Flüchtling täte, wäre das ein Eingriff in das Menschenwohl“ (3). Und um diesen „Eingriff“ zu vermeiden, sollen nach seiner Auffassung alle, die behaupten, minderjährig zu sein, als UMAS behandelt werden. Kosten pro Monat: mindestens 6.000 Euro.

Natürlich gibt es viele Fachleute und Experten, die täglich Unsinniges verbreiten. Aber bei Frank Montgomery ist es insoweit bedenklich, weil er alleine durch sein Amt – Präsident des Weltärztebundes – bei Politikern und Bevölkerung Gehör findet und es nicht wenige gibt, die ihm Glauben schenken.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.rnd.de/gesundheit/weltprasident-kritisiert-maskenpflicht-mindestabstand-ist-entscheidend-HQDDLITDGFRVZKDWGTXAYQUUFE.html

(2) https://www.welt.de/politik/deutschland/article150487076/Die-Fluechtlinge-sind-uebernormal-gesunde-Menschen.html

(3) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87304/Montgomery-gegen-umfassende-Alterstests-bei-Asylbewerbern

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