FRANKFURT: RASSISTISCHE STRAFANZEIGE? Weiße Frau von schwarzem Mann überfallen

Guten Morgen liebe Hessen,

Frankfurt ist – wenn man dem AWO-Oberbürgermeister glauben will – die „internationalste“ Stadt Deutschlands, eine Stadt, in der „Rassismus keinen Platz“ hat. Und eine Stadt, in der mehr als 180 Nationen „friedlich zusammenleben“. Vielleicht war es einfach Naivität, vielleicht aber auch der Glaube an die Worte des Oberbürgermeisters – jedenfalls waren eine 25-jährige Frau und ihr 26-jähriger Begleiter kürzlich nachts (genauer: um 2.35 Uhr) zu Fuß im Frankfurter Ostend unterwegs. Was sie da genau wollten, ist nicht berichtet; vermutlich waren sie auf dem Weg zu ihrem Auto oder zum Bahnhof.

Jedenfalls kam ihnen in der Dörnigheimer Straße der Fahrer eines E-Scooters entgegen und fuhr zunächst an den beiden vorbei. Dann stellte er jedoch sein Fahrzeug ab und lief die beiden hinterher. Als er sie erreichte, griff er die Frau von hinten, schlug ihr mit der Faust ins Gesicht und entriss ihr die Handtasche, in der sich 800 Euro befanden. Dann trat er der Frau in den Unterleib und flüchtete mit seinem Roller. Das Paar beschrieb den Täter (genauer: der Tatverdächtige) wie folgt: „Afrikaner, etwa 185 cm groß und bekleidet mit einer schwarzen Jacke mit weißen Streifen auf dem Rücken. Er trug eine Baseballmütze und einen grünen Mund-Nasenschutz“ (1).

Da hat die junge Frau wohl doppelt Pech gehabt: nicht nur, dass sie verletzt und um einen nicht unerheblichen Geldbetrag erleichtert wurde – der Tatverdächtige ist Afrikaner, d.h. gehört zur Gruppe der POC (People of Colour). Da ist die Tatbeschreibung schon rassistisch: weiße Frau zeigt schwarzen Mann wegen angeblichen Raubüberfalls an. Und was soll die Polizei jetzt unternehmen? Soll sie etwa nach einem dunkelhäutigen Täter suchen? Dazu müsste sie zunächst tatverdächtige Personen ermitteln und befragen. Nach der Täterbeschreibung könnten das aber ausschließlich Afrikaner sein. Da besteht die Gefahr, dass ein völlig harmloser schwarzer Mitbürger ins Visier der Ermittler gerät, der nichts mit dem Überfall zu tun hat. Und der würde dann von der Polizei kontrolliert und – weil er vielleicht seinen Ausweis nicht dabeihat – zur Identitätsfeststellung mit auf die Wache genommen. Und wenn sich dann herausstellt, dass der Kontrollierte unschuldig ist, steht eine ganze Stadt gegen die Polizei auf: es gibt antirassistische Demonstrationen und Mahnwachen, Resolutionen im Stadtparlament und im Landtag und möglicherweise Disziplinarmaßnahmen gegen die beteiligten Beamten. Die werden dann wohl eher auf eine gezielte Tätersuche verzichten und sich auf die Fälle konzentrieren, bei denen der Täter nicht als „dunkel“, „südländisch“ oder „orientalisch“ beschrieben wird, sondern als weiß und akzentfrei deutsch sprechend.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

Quelle: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/4970/4649769

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