FRANKFURTER FRIDAYS FOR FUTURE SCHÜLER: Statt Wandern in der Natur völlig unbescheidene Kreuzfahrt ganz ohne Klimaschmerzen

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Carl-Schurz-Schule, eines der vielen Frankfurter Gymnasien, ist bislang in der Öffentlichkeit kaum aufgefallen. Die Schule hatte zwar kürzlich den ersten Preis bei einem bundesweiten Umwelt-Projekt erhalten und die Schüler engagieren sich bei der Klima-Protestbewegung „Fridays for Future“ (1). Aber das ist nichts Besonderes und kaum ausreichend für eine Pressemeldung. Dennoch geriet die Schule kürzlich in die Schlagzeilen der Presse. Grund: 33 Oberstufenschüler werden ihre Studienfahrt auf einer fünftägigen Kreuzfahrt von Kiel über Oslo nach Kopenhagen verbringen (2).

In der aktuellen Klima- und Umweltdiskussion sind Kreuzfahrten „gesellschaftlich kaum noch vertretbar“ (3). Schiffe gelten aufgrund ihres Antriebs als extrem umwelt- und klimaschädlich. Ein Professor für Energietechnik an der Uni Kassel hatte den CO2-Ausstoss durch die Kreuzfahrt mit 1.250 kg pro Schüler berechnet (2). Hinzu kommt, dass das Personal auf Kreuzfahrtschiffen unter Bedingungen arbeitet, die unter mehreren Aspekten dem deutschen Arbeitsrecht widersprechen.

Kreuzfahrten „stehen für knallharten Massentourismus, für unbarmherzige Ausbeutung von Unterprivilegierten und für in Art und Ausmaß hochbedenkliche Schadstoffemissionen“ (3).

Der Schulleiter reagierte mit „Unverständnis“ auf die Kritik (2). Er behauptete, die Studienreise sei „fast klimaneutral“. Denn das Schiff würde nicht etwa mit Schweröl betrieben, sondern mit schwefelarmem Diesel. Durch Filter und Katalysator würden 60 % der Rußpartikel, 99 % des Schwefeldioxids und 75 % des Stickstoffoxids abgefangen (4). Und dann könnten die Schüler an Bord den Umwelt-Offizier ja kritisch befragen (3). Und außerdem könnten die Schüler den eigenen CO2-Fußabdruck während der Fahrt rechnerisch überprüfen (5). Also auch pädagogisch wertvoll.

Und der Preis für die Fahrt ist mit 390 Euro pro Person für Kreuzfahrt mit Vollverpflegung und Zugtransfer nach Kiel „unschlagbar“ und liegt noch unterhalb der im Landeserlass festgelegten Maximalsumme von 450 Euro (3). Dass dieser Preis nur deshalb so günstig ist, weil die Umweltbelastung nicht bezahlt werden muss und das Schiffspersonal ausbeutet wird, stört den Pädagogen offensichtlich nicht.

Was aber noch bedenklicher ist: die Reise fördert bei den Schülern eine maßlose Anspruchshaltung. Wer bereits als Schüler eine Kreuzfahrt mit allem Komfort und allen Annehmlichkeiten unternimmt, wird dies zum Maßstab für seine zukünftigen Ansprüche erheben. Dabei wäre genau das Gegenteil pädagogisch sinnvoll und geboten: Erziehung zur Bescheidenheit und Begrenzung von Ansprüchen – gerade auch vor dem Hintergrund der begrenzten Ressourcen und der Tendenz zur Verschwendung in Industrieländern.

Da ist ein Blick in die Vergangenheit durchaus hilfreich: Früher beschränkten sich Schulfahrten auf Tagestouren, bei denen meist in freier Natur gewandert wurde (zu Fuß!), um den Schülern Heimat und Natur näherzubringen. Aber das war in den muffigen 50-er und 60-er Jahren. Und dahin will niemand mehr zurück – ausgenommen vielleicht einige Vertreter der AfD.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fnp.de/webreader -v3/index.html
(2) https://epaper.fnp.de/webreader -v3/index.html
(3) https://epaper.fnp.de/webreader -v3/index.html
(4) https://epaper.faz.net//webreader-v3/index.html#/460719/40-41
(5) https://epaper.fnp.de/webreader -v3/index.html

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