Frankfurter Naturreservat – Bäume sollen muslimischem Friedhof weichen

Guten Morgen liebe Hessen,

Frankfurt am Main ist eine vielfältige und weltoffene Metropole mit Menschen unterschiedlichster Kulturen und Lebensentwürfe. Das betonen die Stadtpolitiker bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Devise lautet „Vielfalt und Zusammenleben“ (1). Das Zusammenleben ist dabei wörtlich zu verstehen, denn mit dem Tod endet nicht nur das Leben, sondern auch das „Zusammen“. Und dazu bietet die Stadt Frankfurt „Grabstätten für verschiedene Religionen“ – genauer: Grabstätten für islamische Bestattungen.

Bestattungsmöglichkeiten nach dem islamischen Ritus bestehen in Frankfurt bereits seit über 60 Jahren. Und auf dem Parkfriedhof Heiligenstock hält die Stadt einen „speziellen muslimischen Friedhofsteil“ bereit. Dabei wurde das Gräberfeld „nach Anweisung von Experten so nach Süd-Südost ausgerichtet, dass alle Verstorbenen auf der rechten Seite liegend Mekka zugewandt sind“. Und selbstverständlich ist dieses Gräberfeld „mit als Sichtschutz dienenden Sträuchern und Bäumen vom übrigen Friedhof getrennt“. Wo käme man hin, wenn die Besucher der Gräber von Ungläubigen freien Blick zum islamischen Friedhofsteil hätten?

Aus verschiedenen Gründen nimmt der Platzbedarf muslimischer Grabfelder zu. Und so gab es seit einiger Zeit Planungen des zuständigen Grünflächenamtes der Stadt, auch auf dem Hauptfriedhof, wo es bislang kein muslimisches Gräberfeld gab, ein solches einzurichten. Trotz der Größe des Friedhofs und des infolge der zunehmenden Feuerbestattungen abnehmenden Platzbedarfs stößt dieses Vorhaben auf Schwierigkeiten. Denn Muslime sollen – abgesehen von der Vorgabe der Ausrichtung nach Mekka – nur in „jungfräulicher Erde“ bestattet werden. Bedeutet: Felder, auf denen inzwischen abgeräumte Gräber waren und über die der Friedhof reichlich verfügt, kommen nicht in Betracht. Und so bleiben nur solche Flächen übrig, auf denen derzeit Bäume stehen. Die Friedhofsverwaltung kündigte daher an, im Gewann N auf dem Hauptfriedhof 18 gesunde Bäume für dieses muslimische Gräberfeld zu fällen. Für Ortsunkundige: der Frankfurter Hauptfriedhof ist mit seinem alten Baumbestand eines der wertvollsten Naherholungsgebiete der Stadt und ein einzigartiges Naturreservat (3).

Im zuständigen Ortsbeirat hat sich immerhin Widerstand formiert, der die Fällung der Bäume verhindern möchte. Ob er damit Erfolg haben wird, ist derzeit offen. Denn Bäume sind den Frankfurter Politikern zwar heilig, werden aber dennoch häufig für höherrangige Interessen gefällt. Und religiöse Befindlichkeiten werden meist höher eingestuft als Natur- und Artenschutz – selbst bei den Grünen. Das gilt ganz besonders für die Religion des Friedens, denn niemand will sich dem Vorwurf der Islamfeindlichkeit aussetzen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://frankfurt.de/themen/soziales-und-gesellschaft/vielfalt-und-integration/vielfalt-und-zusammenleben

(2) https://friedhof-frankfurt.de/grabstaetten/grabstaetten-fuer-verschiedene-religionen/

(3) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/472532/48-49

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