Frankfurter Stadtverwaltung – Interkulturelle Kompetenz wichtiger als Fachkenntnisse

Guten Morgen liebe Hessen,

wer sich früher bei der Stadt Frankfurt für einen Job interessierte, musste – je nach Tätigkeit – die entsprechende Qualifikation mitbringen, z.B. als Handwerker, Jurist, Verwaltungsfachmann oder Kraftfahrer. Das ist heute immer noch so – im Prinzip. Denn heute fordert die Stadt bei jedem Bewerber – egal für welchen Job – als Grundqualifikation die „interkulturelle Kompetenz“. Das gilt nicht nur für Mitarbeiter der Ausländerbehörde, sondern z.B. auch für Kanalreiniger bei der städtischen Entwässerung oder Elektromechaniker in den Werkstätten des Zoos.

Dieses Qualifikationskriterium wurde vor einiger Zeit vom Magistrat für alle Bediensteten der Stadt eingeführt, und zwar – wie der zuständige Personaldezernent betont – als gleichrangiges Kriterium neben der fachlichen Qualifikation. Das bedeutet, dass ein Bewerber Mängel in der fachlichen Qualifikation (also z.B. eine schlechte Abschlussnote oder eine fehlende Zusatzqualifikation) durch interkulturelle Kompetenz ausgleichen kann.

Viele werden sich an dieser Stelle (nachdem sie sich davon überzeugt haben, dass heute nicht der 1. April ist) fragen, was „interkulturelle Kompetenz“ eigentlich ist. Die Integrationsdezernentin der Stadt erklärt hierzu, dass es unter anderem bedeute, etwas über „kulturelle Unterschiede“ zu wissen und die Haltung zu haben, dass man „diese als gleichwertig anerkennt“. Es gehe um Rücksichtnahme und das Wissen, dass man es mit anderen Kulturen zu tun habe: „Übersetzt bedeutet es also in etwa: Dass man als Mitarbeiter der Frankfurter Verwaltung einer Kopftuchträgerin ablehnend gegenübersteht, ist ein Durchfallkriterium. Dass man ihr zumindest nicht ablehnend gegenübersteht, eine Minimalanforderung. Zu wissen, wie man dieses Kopftuch nennt und warum es getragen wird, würde schon Punkte auf der interkulturellen Kompetenz-Skala bringen. Und dann gegebenenfalls noch zu reflektieren, dass man als Mann dieser Frau vielleicht nicht die Hand geben sollte, ohne darüber empört zu sein, das dürfte schon ein paar Pluspunkte einbringen“ (1).

Wie man auf der Kompetenz-Skala die maximale Punktezahl erreichen kann, verrät die Integrations-Dezernentin nicht. Vielleicht mit der Kenntnis, wie man kulturkonform einen Homosexuellen an einem Baukran aufhängt oder eine Ehebrecherin gesetzeskonform steinigt. Kenntnisse, die wohl nur wenige mitbringen, mit denen man aber vielleicht fachliche Defizite ausgleichen kann.

Erklärtes Ziel des Frankfurter Magistrats ist es, eine Stadtverwaltung zu bekommen, die „die Vielfalt und Internationalität der städtischen Gesellschaft repräsentiere“, d.h. in der möglichst viele Migranten aus möglichst vielen verschiedenen Kulturen tätig sind. Und die alle „interkulturell kompetent“ sind. Ob der Bürger, für den die Stadtverwaltung eigentlich da ist, das auch so sieht, hat sich der Magistrat vermutlich nicht gefragt.

Vielleicht wünschen sich die Bürger in ihrer Stadtverwaltung einfach Mitarbeiter, die ihre Arbeit fachlich einwandfrei erledigen. Ob die Mülltonne interkulturell kompetent geleert wird oder nicht, ist ihm vermutlich nicht wichtig – Hauptsache sie wird überhaupt geleert. Und wer von einem Feuerwehrmann aus seinem brennenden Haus gerettet werden will, erwartet von diesem vor allem fachliches Können. Ob der Retter detaillierte Kenntnisse darüber hat, wie das islamische Kopftuch genannt und warum es getragen wird, ist ihm wohl eher egal.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/frankfurt-bunte-verwaltung-erwuenscht-14597032.html

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