Frankfurts neue Prioritäten in der Stadtplanung: Wortzensur statt kommunale Entwicklung

Guten Morgen liebe Hessen,

Endlich ist es soweit. Pünktlich zum 1. April hat die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt das M-Wort (gemeint: „Mohr“) und das N-Wort (gemeint: „Neger“) verurteilt. Ein entsprechender Antrag wurde vom Stadtparlament mehrheitlich angenommen. Gestellt hatte den Antrag die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt. Der Grünen-Stadtverordnete Emre Telyakar führte in seiner Rede aus, dass rassistische Begriffe wie das N- und das M-Wort „eine Hinterlassenschaft der deutschen Kolonialgeschichte“ seien. Daher soll die Stadt zukünftig mit Hinweisschildern und QR-Codes künftig auf rassistische Begriffe im Stadtbild hinweisen. In „drastischen Fällen“ könnte auch eine Umbenennung von Straßen und Plätzen in Betracht kommen. Als Beispiel nannte er die Miquelallee – benannt nach dem vormaligen Frankfurter Oberbürgermeister Johannes von Miquel, seinerzeit Mitbegründer des Kolonialvereins. Die Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) führte in ihrer – gefühlte zwei Stunden dauernden – Rede aus, dass man ein Bewusstsein für strukturellen Rassismus schaffen müsse. Daran arbeite sie, z.B. indem man in Ämtern Schulungen gebe. Dabei beklagte sie lauthals, dass ihr dafür nur eine halbe Stelle zur Verfügung steht. Mirrianne Mahn von den Grünen – erste dunkelhäutige Stadtverordnete – führte in ihrer Rede aus, dass sie gerade „einen Traum schwarzer Politiker:innen“ erlebe: denn sie dürfe in „einem Raum voller Weißer über Rassismus sprechen“. Den benannte sie auch gleich: es sei struktureller Rassismus, eine „Frau of Color“ zur Diversitätsdezernentin zu ernennen, „aber ihr ein so lächerlich niedriges Budget zu geben, dass sie zum Scheitern verurteilt ist“ (1).

In früheren Zeiten kümmerte sich die Kommunalpolitik um Stadtplanung, Schulen, Museen, Kanalisation, Müllabfuhr, Straßen und Schwimmbäder – also um Dinge, die den Bürgern wichtig sind und auf deren Funktionsfähigkeit sie Wert legen. Heute hat die Kommunalpolitik andere – und offensichtlich wichtigere – Schwerpunkte. An erster Stelle steht dabei der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung – also ein Thema, das insbesondere den dunkelhäutigen Teil der Bevölkerung (und damit weniger als ein Prozent) betrifft. Bereits vor einigen Monaten hatte die Stadt Kassel jegliche Verwendung des N-Worts als rassistisch anerkannt. Denn das N-Wort sei „immer und in jedem Kontext verletzend und herabwürdigend“ (2).

Die angestrebte Vermeidung des N-Wortes löst jedoch kein einziges Problem, das dunkelhäutige Personen in einer Mehrheitsgesellschaft aus hellhäutigen Personen haben oder glauben zu haben. Sie werden auch nach mehreren Generationen und trotz möglicherweise gelungener Integration alleine aufgrund des Aussehens von der weißen Mehrheitsbevölkerung als fremd empfunden. Das ist im umgekehrten Fall – hellhäutige Person in dunkelhäutiger Gesellschaft oder Europäer in Asien – aber auch der Fall und liegt in der Natur des Menschen, der sich bevorzugt mit anderen Menschen umgibt, die ihm ähnlich sind.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/473501/40-41

(2) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/467814/56-

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