Früher beschäftigte sich SPD mit Arbeiterinteressen, heute mit „menstruierenden Männer“

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands – SPD – wurde 1863 gegründet, zunächst als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV) durch Ferdinand Lassalle. Erklärtes Ziel der Partei war es, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, die seinerzeit vielfach unter unwürdigen Bedingungen arbeiten und leben mussten. Damals galt die 6-Tage-Woche mit mindestens 48 Stunden, es gab keine Sozialversicherung und keinen Arbeits- oder Kündigungsschutz und die Arbeiter waren den Fabrikbesitzern rechtlos ausgeliefert. Das hat sich in den letzten 150 Jahren grundlegend geändert, so dass in diesem Bereich kaum noch Handlungsbedarf besteht. Aber die SPD hat die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Aktivität auf die Bereiche konzentriert, die heute im Fokus des allgemeinen Interesses stehen und präsentiert Lösungsvorschläge für die Probleme, die den Menschen heute auf den Nägeln brennen.

Ein Beispiel von vielen findet sich im Antragsbuch des außerordentlichen Landesparteitages der SPD Sachsen, der am 3. und 4. Juli 2021 in Westbad Leipzig stattfand. Dort liest man unter Antrag G 14 (Initiator*innen: Jusos Sachsen) den Titel: „Nicht-binäre Toilettenaustattung“ (im Original so geschrieben, gemeint ist natürlich Toilettenausstattung). Der Antragstext lautet: „Menstruierende Männer und menstruierende nicht-binäre Personen sind auf öffentlichen Männertoiletten bei der Entsorgung von Hygieneprodukten eingeschränkt, da anders als bei Frauentoiletten keine Entsorgungsmöglichkeit für diese innerhalb der Toilettenkabinen vorhanden ist. Deshalb fordern wir, dass auf allen öffentlichen Toiletten die Toilettenkabinen mit Mülleimern für Hygieneprodukte ausgestattet sind“.

Das ist in der Tat ein Problem, das unter Männern (selbst auf Toiletten, wo man unter sich ist) immer schamhaft tabuisiert wird. Und das seit Jahrhunderten. Aber viele Männer fragen sich jeden Tag auf dem stillen Örtchen: wohin mit den Hygieneprodukten? Und weil keine entsprechende Entsorgungsmöglichkeit da ist und man aus Bequemlichkeit nicht die D-Toilette aufsuchen will, werden die Hygieneprodukte dann wenig fachgerecht einfach in der Toilettenschüssel oder im Papierkorb „entsorgt“. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die SPD – obwohl älteste Partei des Landes – an der Spitze des Fortschritts marschiert. Das Thema wurde bislang von allen anderen Parteien tabuisiert und totgeschwiegen, selbst von den Grünen.

Viele Leser werden jetzt fragen, ob der Antrag von den Delegierten angenommen wurde. Die meisten werden es ahnen: ja, er wurde angenommen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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