Früher fanden Flüchtlinge Geldbeutel – jetzt verhindert Syrer Vergewaltigung

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einigen Jahren las man wöchentlich über syrische Flüchtlinge, die Geldbörsen gefunden hatten und diese den Eigentümern oder der Polizei übergeben hatten. Meist waren in den Börsen größere Geldbeträge und deren Verlierer waren finanziell knapp bei Kasse. Der Klassiker: die Oma hatte ihre gesamte Rente von der Bank abgeholt oder der Rentner seine gesamten Ersparnisse, um die teure Behandlung einer schweren Erkrankung bezahlen zu können. Regelmäßig wurde dann auch über den ehrlichen Finder und dessen Lebensgeschichte berichtet – insbesondere über die gefährliche Flucht durch Rebellengebiete und über die offene See. Und natürlich darüber, dass der Schutzsuchende inzwischen gut deutsch gelernt hat und gerade auf der Suche nach einem Job ist.

Die Serie dieser Geldbörsenfinder war dann abrupt abgerissen – lange las man nichts mehr zu diesem Thema. Dafür jetzt eine neue Variante: „Flüchtling rettet Polizistin vor Vergewaltiger“ – so titelte die BILD kürzlich. Und weiter: „Jetzt spricht der Held von Wuppertal“. Was war passiert: Faner O. (30) aus Syrien überwältigte an der Wuppertaler Wittensteinstraße in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Vergewaltiger und rettete damit eine 28-jährige Polizeianwärterin. Der Retter erinnert sich: „Es war Sonntag, so gegen halb vier morgens. Ich hatte einen Freund nach Hause gebracht, war mit dem Auto auf dem Heimweg zu meiner Frau und meiner kleinen Tochter. Dabei sah ich eine Frau an der Friedrich-Engels-Allee entlang gehen und dann einen Mann mit einem roten T-Shirt, der von hinten auf sie zulief. Dann verschwanden sie in einem Gebüsch“. Der Syrer hielt das Auto an und beobachtete, wie der Mann der Frau mit einer Hand den Mund zuhielt und mit der anderen würgte. Als er den Beobachter bemerkt, lässt er von seinem Opfer ab und flüchtet – aber der Syrer setzt ihm nach und kann ihn überwältigen, wobei ihm ein anderer Passant – ein 20-jähriger Deutsch-Türke – zu Hilfe kam (1). Ganz am Ende des Artikels – im Kleingedruckten – wird dann der Fast-Vergewaltiger in einem einzigen Satz erwähnt: ein 20-Jähriger aus Afghanistan, der bereits wegen eines anderen Sexualdelikts angeklagt ist und derzeit auf seinen Prozess wartet.

Fazit: über den Retter aus Syrien, der sich eigentlich nur gesetzeskonform verhalten hat (Verpflichtung zur Hilfeleistung), wird ausführlich und detailliert berichtet, über den kriminellen aus Afghanistan nur in einem Nebensatz. Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Dass ein syrischer Flüchtling nach vier Jahren integriert ist und sich gesetzeskonform verhält, ist erfreulich, sollte aber eigentlich selbstverständlich und daher nicht Gegenstand einer umfangreichen Berichterstattung sein. Viel wichtiger wäre es, über den Fast-Vergewaltiger zu berichten: warum ist er immer noch in Deutschland und läuft frei herum, nachdem er wegen eines Sexualdelikts – und mithin eines Verbrechens – angeklagt ist. Und warum befindet er sich nicht in U-Haft oder wurde nicht bereits abgeschoben?

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/der-held-von-wuppertal-syrer-rettet-polizistin-vor-vergewaltiger-72221796,jsRedirectFrom=conversionToLogin.bild.html?wtrid=kooperation.reco.taboola.paid.bild.desktop

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