Früherer Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek – seine Aussagen sind Fall für „Cancel Culture“

Guten
Morgen liebe Hessen,

Bernhard Grzimek (1909-1987) war von 1945 bis 1974 Direktor
des Frankfurter Zoos und wurde wegen seiner zahlreichen Aktivitäten im Bereich
des Tier- und Naturschutzes weit über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannt. Den
Älteren ist er mit seiner TV-Sendung „Ein Platz für Tiere“ unvergessen, da er
in jede Sendung Tiere aus dem Zoo mitbrachte, die sich an keine Regieanweisung
hielten. Die Stadt Frankfurt am Main ehrte
Bernhard Grzimek vielfach, u.a. mit der Benennung einer Straße (Bernhard-Grzimek-Allee).
Das hat 30 Jahre lang niemanden gestört. Bis einige Antifaschisten wieder
einmal die NS-Vergangenheit des Zoodirektors thematisierten. Grzimek war
NSDAP-Mitglied und als „Mitläufer“ eingestuft. Während des Krieges war er
Veterinär in der Wehrmacht und dort zuständig für Pferde und Geflügel. Was aber
aus Sicht der „Aktivisten“ viel schlimmer ist: Grzimeks Filme und Bücher seien
„von Klischees und postkolonial rassistischen Begrifflichkeiten durchzogen“
(1).

Tatsächlich
hatte Grzimek in seinen 1974 erschienenen Memoiren nicht nur seine Erinnerungen
veröffentlicht, sondern auch noch seine politischen Ansichten zu verschiedenen
Themen geäußert. So führte er in seinem Buch u.a. folgendes aus: „Dass der
Anteil der weniger Gescheiten, weniger Tüchtigen so allmählich immer größer
wird, ist nach meiner Überzeugung der biologische Hauptgrund für den Niedergang
aller Kulturvölker der Menschheitsgeschichte. Deswegen sollte man zwar jedem
Menschenkind helfen und ihm die gleichen Möglichkeiten geben wie den anderen –
aber man sollte verhindern, dass erblich belastete und benachteiligte Kinder
immer wieder von neuem gezeugt und dann weitgehend auf Kosten der Allgemeinheit
aufgezogen werden. Wenn wir es nicht lernen, in sozialen, moralischen und politischen
Fragen nicht nur philosophisch, sondern auch biologisch zu denken, also
wirklich gütig und „menschlich“ zu handeln, muss es mit unseren Völkern und der
ganzen Menschheit immer schneller bergab gehen“ (2).

Mit
diesen – für einen Naturwissenschaftler nachvollziehbaren – Äußerungen hat
Bernhard Grzimek ungewöhnlichen Weitblick und Realitätssinn gezeigt. Die
zitierten Äußerungen haben seinerzeit – soweit bekannt – niemanden dazu
veranlasst, Kritik zu üben, da damals eine naturwissenschaftliche Betrachtung
gesellschaftspolitischer Themen als legitim betrachtet wurde und daher keinen
Anstoß erregte. Und so war er auch nach Veröffentlichung seiner Erinnerungen
ein hochgeehrter Mann – und ist dies bis heute. Aber die Zeiten haben sich
geändert. Aktuell würde die zitierte Äußerung – selbst aus der Feder einer so
angesehenen Persönlichkeit wie Grzimek – einen breiten Sturm der Entrüstung
auslösen, da Grzimek – seinem naturwissenschaftlichen Impetus folgend – die
Menschen in solche einteilt, die „gescheit und tüchtig“ sind und solche, bei
denen diese Eigenschaften wenig ausgeprägt sind. Das widerspricht der heutigen
Auffassung von der Gleichheit aller Menschen.

Was
aber noch viel schlimmer ist: Grzimek unterstellt, dass die genannten
Eigenschaften – „gescheit und tüchtig“ – vererbt werden, mithin also genetisch
festgelegt sind. Eine ähnliche Behauptung hat schon in Sarrazins Buch
„Deutschland schafft sich ab“ einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im heutigen
rot-grünen Deutschland gilt das Dogma: Intelligenz (und damit logischerweise
auch fehlende Intelligenz) wird nicht vererbt, alle sind gleich begabt und
jeder kann Quantenphysiker, Neurochirurg oder
Jet-Pilot werden. Und wenn es jemand nicht schafft, ist weder das Erbgut noch
fehlender Fleiß die Ursache, sondern die Gesellschaft, die nicht genug
gefördert, integriert oder inkludiert hat.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/469361/48-49

(2) Bernhard Grzimek: Mein Leben, Piper Verlag München
2009, S. 151

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren