Gambia nimmt eigene Staatsbürger nicht zurück – Begründung: „unintegrierbar“

Guten Morgen liebe Hessen,

Gambia ist das kleinste Land Afrikas, unterscheidet sich ansonsten kaum von anderen Staaten des Kontinents. Demografie, Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur entsprechen dem afrikanischen Durchschnitt. Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Gambia ein Visum und müssen bei ihrer Einreise neben einem Rückflugticket genügend finanzielle Mittel für den Aufenthalt nachweisen können (1). Umgekehrt – d.h. bei Einreise gambischer Staatsangehöriger in die Bundesrepublik – gilt das natürlich nicht. Es wird kein Visum benötigt und selbst ohne Pass ist eine Einreise möglich. Und selbstverständlich benötigt der Einreisende auch kein Rückflugticket oder finanzielle Mittel. Der deutsche Staat sorgt für Unterbringung und Unterhalt. Und das unbefristet und ohne Bedingungen. Denn abgeschoben wird niemand in den westafrikanischen Staat – selbst wenn die deutschen Behörden dies wollten.

Derzeit sind etwa 6.000 Gambier aufgrund eines negativen Asylbescheids ausreisepflichtig. Abschiebungen können jedoch nicht vollzogen werden, denn die gambische Regierung unter dem derzeitigen Präsidenten Barrow erteilt seit zwei Jahren keine Landeerlaubnisse für Abschiebeflieger aus Deutschland oder anderen EU-Ländern. Begründung des Präsidenten: die potentiellen Rückkehrer seien „unintegrierbar“ und würden nur Tumulte und Unruhen in das kleine westafrikanische Land bringen. Durch die Rückkehr tausender Gambier sei mit „sozialen Unruhen“ zu rechnen. Die Regierung versuche jedoch derzeit „Frieden, Stabilität und Demokratie“ im Land zu etablieren.

Diese Bemühungen werden jedoch gefährdet, wenn tausende junge Männer zurück in die Heimat kommen. Möglicherweise wird eine Zunahme an Gewalt und Kriminalität befürchtet, in jedem Fall aber ein Ausbleiben der Zahlungen, die die Auswanderer regelmäßig in die Heimat überweisen. Denn die Geldsendungen aus Deutschland tragen zu einem erheblichen Teil zum Bruttoinlandsprodukt bei, „an den Geldüberweisungen aus Europa hängen viele Existenzen“ – so ein Aktivist einer Hilfsorganisation (2).

Insgesamt also eine Win-win-Situation: die Bundesregierung möchte möglichst viele junge Fachkräfte einreisen lassen und im Land halten, der Herkunftsstaat verzichtet großzügig auf die Rückreise der jungen Kräfte und leistet so in vorbildlicher Weise Entwicklungshilfe für das notleidende Deutschland. Bleibt zu hoffen, dass andere afrikanische Staaten diesem Beispiel folgen und selbstlos helfen, den Fachkräftemangel in Deutschland zu beseitigen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/gambiasicherheit/213624

(2) https://exxpress.at/nicht-integrierbar-gambia-verweigert-ruecknahme-von-migranten/

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