GENDERGAGA JENSEITS VON m/w/d: „Anne“ schildert diskriminierenden Alltag

Guten Morgen liebe Hessen,

Jahrtausende ging die Wissenschaft davon aus, dass es bei höheren Lebewesen zwei – und genau zwei – Geschlechter gibt. Diese Tatsache ist eigentlich offensichtlich und für jeden erkennbar. Und sie wird nicht deshalb falsch, weil es einige wenige Ausnahmen gibt: Individuen, bei denen das genotypische Geschlecht nicht mit dem phänotypischen korrespondiert. Oder Individuen, die zwar geno- und phänotypisch eindeutig zuzuordnen sind, die sich jedoch subjektiv einem anderen – oder überhaupt keinem – Geschlecht zuordnen wollen oder können.
Ein solcher Fall wurde kürzlich in der FR thematisiert: die Studentin Anne (Name geändert) soll aufschreiben, ob sie männlich oder weiblich ist. Um diese Frage zu beantworten, hätte sie einfach nur in ihren Ausweis schauen müssen. Wollte sie aber nicht: „Ich wusste einfach nicht, was ich draufschreiben sollte. Beides wäre einfach eine Lüge gewesen. Ich fühle mich nämlich weder von der Bezeichnung Mann noch von Frau angesprochen, sondern als irgendwas Drittes“ (1).

Das es so etwas gibt, hatte kürzlich das Bundesverfassungsgericht festgestellt. Und den Behörden aufgegeben, diese dritte Möglichkeit bei der Personenstandsregistrierung vorzusehen. Das wurde auch von wenigen Personen in Anspruch genommen, ist aber inzwischen in jeder Stellenanzeige vorgesehen: m/w/d. Für Anne aber offensichtlich keine Lösung: „Schon als ich mich an der Uni einschrieb, musste ich mein Geschlecht angeben. Klar, es gibt die Möglichkeit, divers einzutragen, aber die gilt nur für intergeschlechtliche Personen, also die von Geburt an weder eindeutig Mädchen noch Junge sind“, sagt Anne, „Das ist emotional extrem anstrengend für mich“ (1).

Die Goethe-Uni lässt Prüfungen unter neuem Namen zu, jedoch nur bei Vorlage eines dgti-Ergänzungsausweises (Transidentität und Intersexualität). Aber Anne möchte ihren Namen nicht ändern – vorerst jedenfalls nicht. Und dann stellt sich noch die Toiletten-Frage. Anne hätte gerne eine „All-Gender-Toilette“. Die gibt es aber derzeit noch nicht. Deshalb benutzt sie die Damentoilette. Hat damit aber erhebliche Probleme: „Es fühlt sich aber jedes Mal so an, als ob mir jemand mit dem Kantholz auf dem Kopf haut und sagt: Du existierst gar nicht‘“. Und mit diesem Problem ist sie nicht alleine: „Ich kenne viele Trans*-Studierende, die an der Uni kaum etwas trinken und fast dehydrieren, nur damit sie nicht mehr aufs Klo gehen müssen. Das hat gesundheitliche Folgen“ (1).

Fast jeder dürfte schon einmal eine Toilette des anderen Geschlechts benutzt haben, wenn die eigene nicht auffindbar oder von der Putzkolonne gesperrt war. Und wenn das Bedürfnis dringend ist, hat wohl niemand ein Problem damit und sicher nicht das Gefühl, dass ihm jemand ein Kantholz auf den Kopf haut. Wer aber dieses Gefühlt tatsächlich verspürt, sollte sich überlegen, ob das Problem nicht primär bei ihm/ihr selbst zu suchen und dort auch zu lösen ist. Und nicht gleich verlangen, dass in sämtlichen öffentlichen Gebäuden sämtliche Toiletten umgebaut werden und überall „All-Gender-Toiletten“ eingerichtet werden. Damit wäre zwar möglicherweise das Problem einiger Trans-Personen gelöst, dafür aber neue Probleme geschaffen: die meisten der Personen, die sich eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordnen können (und das sind über 99 %), bevorzugen geschlechtergetrennte Toiletten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/461436/46-47

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