GENDERGERECHTE STRASSENBENENNUNG Grüne gegen Ehrung des Schauspielers, weil er keine inter, trans* oder non-binary Person war

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einem Jahr verstarb der Hamburger Schauspieler Jan Fedder, der viele Jahre als Polizist im Großstadtrevier kleine und große Ganoven jagte. Das volksnahe Original war in seiner Heimatstadt außerordentlich beliebt. Mehrere tausend seiner Fans wohnten seiner Beerdigung bei. Hamburger Politiker wollen nun die Promenade zwischen Landungsbrücken und Niederbaumbrücke nach dem Schauspieler benennen, der wie nur wenige seine Heimatstadt verkörperte. Nichts Ungewöhnliches. In vielen Städten gibt es Straßen und Plätze, die nach Schauspielern benannt wurden: es gibt Erich-Ponto-, Heinz-Rühmann- und Hans-Moser-Straßen, Theo-Lingen- und Gustaf-Gründgens-Plätze.

Dennoch stößt die Umbenennung der Promenade auf Widerstand bei den Hamburger Grünen. Die haben zwar grundsätzlich nichts gegen Jan Fedder – aber der war eben weder eine Frau noch eine Inter- oder Trans-Person (wäre er das gewesen, würde sich das „Problem“ vermutlich überhaupt nicht stellen). Aber so habe die Grünen Bedenken angemeldet, weil mit der Benennung „das Ungleichgewicht zwischen nach Männern und Frauen benannten Verkehrsflächen weiter zu Ungunsten der Frauen“ verschoben würde. Die Hamburger Grünen fordern daher in einem Antrag, ab sofort Verkehrsflächen und öffentliche Flächen im Bezirk Hamburg-Mitte „ausschließlich nach realen Frauen, inter, trans* und non-binary Personen“ zu benennen. Soweit ausnahmsweise „aus nachvollziehbaren Gründen des öffentlichen Interesses von dieser Regel“ abgewichen werden sollte, müsse aber gleichzeitig eine weitere Straße oder Platz den Namen einer Frau oder „diversen“ Person erhalten (1).

Das ist aber nicht so einfach wie es klingt. „Reale Frauen“ gibt es viele in Hamburg, aber nur wenige, bei denen die meisten sofort wissen, um wen es sich handelt. Und so fällt einem bei Jan Fedder wahrscheinlich nur Heidi Kabel ein – aber die hat schon ihren „Heidi-Kabel-Platz“ vor ihrem Ohnsorg-Theater. Da müsste man schon auf sehr unbekannte Personen zurückgreifen – und da macht eine Straßenbenennung wiederum wenig Sinn. Und so gibt es auch in anderen Städten, in denen die Grünen regieren, die Aktion „geschlechtergerechte Straßenbenennung“. Zum Beispiel in Frankfurt. Da gibt es eine Goethe- und eine Schillerstraße, eine Theodor-Heuss- und eine Kennedyallee, eine Ludwig-Erhard-Anlage und einen Willy-Brandt-Platz. Fast jeder kennt diese Namen. Und dann gibt es eine Margarete-Schütte-Lihotzky-Anlage, eine Eleonore-Sterling-Straße und eine Charlotte-Schiffler-Straße. Da wird es schon schwieriger. Die Frage „wer war Charlotte Schiffler“ würde sich durchaus als Eine-Million-Euro-Frage eignen. Aber immerhin hat die Namensgeberin als Frankfurter Lokalpolitikerin etwas persönlich geleistet. Aber selbst das ist bei der Straßenbenennung durch Frankfurts Grüne nicht selbstverständlich. So gibt es dort z.B. auch einen Johanna-Melber-Weg – benannt nach Johanna Maria Melber (*12.02.1734 +07.11.1823). Mehr oder weniger bekannt wurde sie nur dadurch, dass Goethe ihr in seinem Werk „Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit“ ein literarisches Denkmal setzte. Johanna Melber war die Tante des Dichters und wurde von ihm als „lebhaft, warmherzig und kinderfreundlich“ beschrieben. Da reicht es also schon aus, mit einer berühmten Persönlichkeit weitläufig verwandt zu sein, um in Frankfurt in einem Straßennamen verewigt zu werden. Das gilt aber nur für Frauen – Männer müssen dafür nach wie vor selbst etwas leisten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/zu-viele-maennernamen-gruene-hadern-wegen-jan-fedder-platz/

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