Genderstau bei negativ belegten Begriffen: Wann fahndet die Polizei nach Schlepperinnen, Stroh- oder Hinterfrauen?

Guten Morgen liebe Hessen,


Seit 35 Jahren gibt es in Deutschland die „geschlechtergerechte“ Sprache, die sich wie eine Epidemie im ganzen Land verbreitet hat. Überall gibt es Anleitungen und Regelwerke, wie diese Sprachregelung umzusetzen ist, aktuell beim Deutschlandradio, das in einem internen Leitfaden verkündet, die Sendeanstalt wolle einen „weiteren Schritt in Richtung Diskriminierungsfreiheit und Gendersensibilität“ gehen (1).

Und selbst in Gesetzen wird die sprachliche Gleichstellung gefordert. So heißt es im Hessischen Gleichberechtigungsgesetz bereits in § 1: „Rechts- und Verwaltungsvorschriften sollen die Gleichstellung von Frauen und Männern sprachlich zum Ausdruck bringen. Dies gilt auch für den dienstlichen Schriftverkehr“. Diese Regelung gilt für alle staatlichen Stellen – also auch für die Stadt Frankfurt.

Deren Magistratsmitglieder betonen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bedeutung des Themas, da erst durch die ausdrückliche Benennung beider Geschlechter Frauen „sprachlich sichtbar“ gemacht würden. Leicht gesagt, aber nicht einfach umzusetzen. Denn die Sprachvorschrift hat ihre Tücken, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, aber doch die meisten scheitern lassen. Und so gibt es in Frankfurt zwar eine „Bürgerinnen- und Bürgerfragestunde“, aber auch ein „Bürgertelefon“, den „Bürgerservice“, das „Bürgerbüro“ und die „Bürger-befragung“.

Bürgerinnen sucht man da vergeblich. Gleiches gilt für das „Einwohnermeldeamt“ und das „Wählerverzeichnis“. Und noch nie hat die Führerscheinstelle einen Führerinnenschein ausgestellt. Und auch Fußgängerinnenzonen sowie Bürgerinnensteige sucht man in der Stadt vergeblich. Und es gibt einen Oberbürgermeister, aber keinen Oberbürgerinnenmeister.

Im Strafgesetzbuch ist immer noch von dem „Täter“ und dem „Anstifter“ die Rede und § 211 lautet: „Der Mörder wird mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft“, die Mörderin geht aber straffrei aus. Da ist die Straßenverkehrsordnung schon weiter. Die ist immerhin teilweise gegendert. Wo es früher „Fußgänger“, „Radfahrer“ und „Fahrzeugführer“ hieß, liest man heute von den „zu Fuß Gehenden“, den „Rad Fahrenden“ und den „Fahrzeugführenden“. Aber in § 26 heißt es „Fußgängerüberweg“, nicht aber „Fußgängerinnenüberweg“. Noch schlimmer ist der § 36: „Weisungen von Polizeibeamten sind zu befolgen“ – Weisungen von Polizeibeamtinnen aber offensichtlich nicht.

Negativ belegte Begriffe werden prinzipiell nicht gegendert. In den U-Bahnen steht „Schwarzfahrer zahlen 60 Euro“, Schwarzfahrerinnen aber nichts. Die Polizei warnt vor Taschendieben, Hütchenspielern und Trickbetrügern, aber niemals vor Taschendiebinnen, Hütchenspielerinnen und Trickbetrügerinnen. Sie fahndet nach Schlepperbanden, Strohmännern und Hintermännern, aber nie nach Schlepperinnen, Stroh- oder Hinterfrauen. Und der Enkeltrick wird in der Regel heute meist von Enkelinnen verübt. Und natürlich hört man nie etwas über Geldfälscherinnen, Einbrecherinnen oder Steuersünderinnen, nichts über Hausbesetzerinnen, Terroristinnen, Rassistinnen oder Populistinnen. Es gibt die Anonymen Alkoholiker, aber keine Alkoholikerinnen, und auf der Zigarettenpackung steht „Raucher sterben früher“, Raucherinnen aber offensichtlich nicht.

Nachdem nun das Bundesverfassungsgericht ein drittes Geschlecht entdeckt hat, wird es richtig kompliziert: das muss natürlich dann auch explizit genannt werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt. In den Stellenanzeigen hat man damit schon mal angefangen (m/w/d). Aber spätestens an dieser Stelle sollte man den Unfug beenden und zur Sprache Goethes und Schillers zurückkehren.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/kultur/medien/2019/deutschlandradio-gender-leitfaden-soll-vielfalt-besser-abbilden/

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