Geringer Frauenanteil beim Katastrophenschutz: Minister hat auf meine kleine Anfrage keine passende Antwort!

Guten Morgen liebe Hessen,

Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe, die vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Todesfällen und erheblichen Sachschäden geführt hat, berichteten die Medien umfangreich über die verschiedenen Aktionen des Katastrophenschutzes, v.a. über die Freiwilligen Feuerwehren, das THW, das Rote Kreuz und die Bundeswehr. Bei fast allen Berichten entstand der Eindruck, dass an den genannten Einsätzen ganz überwiegend Männer beteiligt waren. Frauen waren dort nur vereinzelt zu erkennen. Tatsächlich beschäftigt das THW nach eigenen Angaben unter den 80.000 ehrenamtlichen Helfern etwa 12.000 Frauen (Anteil 15 %). In den freiwilligen Feuerwehren beträgt der Frauenanteil bundesweit etwa 10 %. Eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in den genannten Bereichen und damit ein klarer Fall für die Gleichstellungsbeauftragten der hessischen Landesregierung. Denn der zuständige Sozial- und Integrationsminister forderte in einer Pressemitteilung erst vor wenigen Monaten (wieder einmal) eine „Gleichstellung in allen gesellschaftlichen Belangen“. Denn „Gleichberechtigung, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verwirklichen, ist und bleibt für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ein zentrales Ziel und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Und so wurde der Minister mit einer kleinen Anfrage (Drs. 20/6208) nach der Situation in Hessen gefragt und wie er die Missstände zu beheben gedenkt. Der Minister berichtete, dass der Frauenanteil in den Feuerwehren in Hessen bei etwa 13 % liegt und dass für die im hessischen Katastrophenschutz tätigen Einheiten keine Statistik geführt wird. Er wird wissen, warum. Denn der Frauenanteil dürfte dort ähnlich gering sein. Auf die Frage, was die Gründe für den geringen Frauenanteil in den Hilfsorganisationen ist, wusste der Minister keine Antwort. Aber er erwartet, dass „sich der Anteil von Frauen in den Feuerwehren in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird“.

Grundsätzlich – so der Minister – strebe die Landesregierung eine generelle Erhöhung der Anzahl an ehrenamtlichen Einsatzkräften in den Freiwilligen Feuerwehren und hessischen Katastrophenschutzeinheiten an. Hierzu gebe das Land den Kommunen „vielfältige Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten an die Hand, die seitens der für den Brandschutz originär zuständigen Kommunen nach dem Baukastenprinzip genutzt und vor Ort umgesetzt werden können“. Auch erhalten die Einsatzkräfte eine ausgezeichnete Ausbildung an der Hessischen Landesfeuerwehrschule. Und der Minister versichert, dass er auch zukünftig auf potentielle Einsatzkräfte – aus allen Schichten der Gesellschaft – zugehen und so versuchen wird, dem demografischen Wandel, der zwangsläufig auch den Hessischen Brand- und Katastrophenschutz betrifft, zu entgegnen.

Die entscheidende Frage nach den Gründen für das Missverhältnis der Geschlechter und den Bemühungen um eine Angleichung dieses Verhältnisses beantwortete der Minister nicht. Dabei wäre die Antwort einfach gewesen: die Landesregierung strebt nur dort eine Erhöhung des Frauenanteils an, wo es um Macht und Geld geht – nicht aber dort, wo ohne Honorierung hart gearbeitet wird.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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