GRETA STICHT IN SEE – aber nicht klimaneutral mit der Kon-Tiki, sondern mit 5-Mio-Euro-Yacht

Guten Morgen liebe Hessen,

„Greta Thunberg beginnt Segelreise über den Atlantik“ (1) – so oder ähnlich war es in vielen Zeitungen zu lesen. Die Weltpresse war nach Plymouth gereist, um über das Ereignis zu berichten. Selbstverständlich nicht klimaneutral oder ohne CO2-Emissionen. Die meisten der Journalisten dürften mit dem Flugzeug angereist sein. Genauso wie ihre Kollegen, die in etwa zwei Wochen über ihre Ankunft in New York berichten werden. Man darf erwarten, dass die Segelyacht auf den letzten Seemeilen von zahlreichen Schiffen begleitet wird und das Ereignis auch aus der Luft (Helikopter) gefilmt werden wird.

Greta selbst hatte es abgelehnt, nach New York zum Klimagipfel zu fliegen. Sie bevorzugt die emissionsfreie Reise mit einem Segelboot. Aber nicht etwa mit einem Wikinger-Schiff oder dem ökologisch korrekten Floß Kon-Tiki von Thor Heyerdahl, sondern einem Luxus-Segler, für dessen Produktion viele Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Die Segelyacht Malizia II (Kosten: 5 Mio Euro) besteht aus Karbonfasern. Emissionsfrei sind weder die Herstellung des Bootes noch die spätere Entsorgung des Bootrumpfes (2). Das weiß Greta aber wahrscheinlich nicht.

Sie sagt: „Es ist nicht sehr luxuriös, nicht sehr ausgefallen … Aber das brauche ich nicht. Ich brauche nur ein Bett und die grundlegenden Sachen“. Damit meint sie die spartanischen Kojen und das fehlende WC. Und so beschäftigt sich die Presse auch überwiegend mit den für das Weltklima wichtigen Fragen: wie und wo verrichtet Greta ihre Notdurft und wird sie seekrank? Und gegessen wird selbstverständlich vegane gefriergetrocknete Kost (mit hohem Energieaufwand erzeugt) und nicht etwa das, was man aus dem Meer gefischt hat.

Wenn sie in New York angekommen ist, wird sie sich vom Hafen wahrscheinlich zu Fuß oder mit dem Rad zur UN-Klimakonferenz bewegen. Vermutlich als Einzige. Alle anderen Teilnehmer werden per Flugzeug anreisen und die Strecke vom Flughafen zum Konferenzort mit dem Taxi oder dem Helikopter zurücklegen. Das wird Greta aber wahrscheinlich nicht stören.

Sie wird dann auf der Konferenz eine Rede halten, die sich nicht von denen unterscheiden wird, die wir zur Genüge kennen: „Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten“ (3). Ein lebenswerter Planet ist ein erstrebenswertes Ziel. Dass unser Planet in vielen Regionen nur wenig lebenswert ist, liegt aber weniger am Klima als an Misswirtschaft, Korruption und ethnisch-religiösen Konflikten.

Greta versucht dabei auch, weit in die Zukunft zu blicken: „2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern“ (3). Herzlichen Glückwunsch schon vorab, Greta. Dann wird es auf der Erde nicht 7,5 Milliarden Menschen geben wie heute, sondern etwa doppelt so viel, mit denen Du feiern kannst. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass man dann überhaupt noch feiern wird. Auch ohne Klimawandel werden sich dann die Verteilungskämpfe und die Konflikte auf dem Planeten massiv verschärft haben. Denn jeder einzelne der dann 15 Milliarden Menschen wird versuchen, gesichert und in Wohlstand zu leben. Und in vielen Ländern wird das – mehr als heute – nicht möglich sein. Und viele Millionen werden in andere Länder kommen, um ihr Ziel eines besseren Lebens zu erreichen. Und so wird es 2078 vermutlich auch im bislang halbwegs beschaulichen Schweden so aussehen wie im Sudan, in Nigeria, Togo oder Pakistan – oder wahrscheinlich noch schlimmer. Und das auch ohne Klimakatastrophe.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-08/klimaaktivistin-greta-thunberg-atlantik-segelboot-un-klimakonferenz
(2) https://ruhrkultour.de/greta-on-tour-mit-malizia-ii/
(3) https://www.tagesspiegel.de/berlin/klimaaktivistin-greta-thunberg-15-mein-appell-an-die-welt/23779892.html

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