GrünInnen wollen „Rasse“ aus dem GG streichen – die Unterschiede zwischen den Menschen bleiben trotzdem

Guten Morgen liebe Hessen,

das nunmehr über 70 Jahre alte Grundgesetz wird allgemein als gelungener Versuch einer Verfassung angesehen. Und dennoch wird immer wieder versucht, Passagen und Begriffe zu finden, die man heute vielleicht anders formulieren würde. Und so sind die GrünInnen wieder fündig geworden: im Artikel 3 findet sich der Begriff „Rasse“. Das geht überhaupt nicht – weiß doch jeder, dass es überhaupt keine Rasse gibt, ausgenommen bei Pferden und Hunden. Schlimmer noch: der Begriff „Rasse“ im Zusammenhang mit Menschen ist vorbelastet. Denn es gab früher eine „Rassenlehre“, „Rassenhygiene“ und „Rassenschande“.

Und so haben sich Wissenschaftler bereits vor geraumer Zeit darauf geeinigt, dass es keine Menschenrassen gibt – wohl aber einen Rassismus. Darunter versteht man die Zuschreibung negativer Merkmale auf Menschengruppen anhand äußerlich erkennbarer genetischer Merkmale dieser Gruppen. Denn es ist ganz offensichtlich, dass sich Menschen unterscheiden. Gemeint sind damit aber nicht die interindividuellen Unterschiede wie Größe, Statur, Haar- und Augenfarbe, sondern es gibt Gruppen von Menschen, die sich insgesamt von anderen Gruppen bereits äußerlich unterscheiden. So z.B. durch die Hautfarbe. Oder durch die Form der Augenlider (Mongolenfalte). Und so sieht man einem Chinesen oder Vietnamesen seine Herkunft bereits auf den ersten Blick an. Genauso wie einem Schwarzafrikaner oder einem Nordeuropäer oder einem Inder. Aber die Unterschiede beschränken sich nicht auf das äußerlich Sichtbare, sondern erfassen auch Merkmale wie etwa den Stoffwechsel. So verläuft die Metabolisierung von Substanzen und Medikamenten bei den Afrikanern anders als bei Europäern oder Japanern. Eine Erkenntnis, die dazu geführt hat, dass neue Medikamente im Rahmen des Zulassungsverfahrens nicht nur an Europäern getestet werden müssen, sondern auch an Asiaten und Afrikanern.

Ursache der äußerlich sichtbaren wie auch der übrigen Variationen zwischen den unterschiedlichen Menschengruppen sind die unterschiedliche Gene. Im Laufe der Evolution hat sich in den verschiedenen Regionen der Welt eine genetische Segregation herausgebildet, die im Ergebnis zu phänotypischen Unterschieden zwischen verschiedenen Menschengruppen geführt hat. Die Gruppen wurden früher als Rassen bezeichnet. Dieser Terminus wurde inzwischen aus Gründen der politischen Korrektheit aufgegeben und durch den Begriff „human genome variation“ ersetzt. Das hört sich harmloser an, beschreibt aber genau das: es gibt Gruppen von Menschen, die sich von anderen Gruppen aufgrund ihrer genetischen Ausstattung unterscheiden. Und das zeigt sich sowohl in äußerlich sichtbaren Merkmalen – wie Hautfarbe – wie auch in nicht unmittelbar sichtbaren Merkmalen. Und zu den letzteren gehören Stoffwechselvorgänge oder auch die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen (bzw. die Resistenz gegen solche). Kurz: alle Eigenschaften, die vererbt werden können. Und diese Eigenschaften prägen die Mitglieder der jeweiligen Gruppe und verschaffen ihnen möglicherweise Vorteile und Nachteile gegenüber anderen.



Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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