Handlungsbedarf für feministische Theologinnen: Jesus war ein Mann und Gottes Sohn

Guten Morgen liebe Hessen,

Die „geschlechtergerechte“ Sprache, von etwa 35 Jahren von zwei „Sprachwissenschaftlerinnen“ erfunden, hat inzwischen die Sprache von Politikern und Journalisten und in vielen Bereichen auch die Amtssprache durchsetzt. Politiker sprechen ständig von „Bürgerinnen und Bürgern“, „Wählerinnen und Wählern“ oder „Schülerinnen und Schülern“. In Gesetzen werden aus Radfahrern und Fußgängern „Rad Fahrende“ und „Zu Fuß Gehende“ und es ist von „Schuldnerinnen und Schuldnern“ und „Gläubigerinnen und Gläubigern“ die Rede. So weit – so schlecht.

Aber inzwischen werden nicht nur neue Texte gegendert, sondern auch bestehende und alte Texte der Geschlechts-Korrektur unterzogen. Sogar sehr alte Texte – wie z.B. die Bibel. So gibt es bereits seit längerer Zeit eine „Bibel in gerechter Sprache“, die neben der aktuellen sprachwissenschaftlichen Diskussion auch Anliegen der feministischen Theologie berücksichtigt. Der Interpretation der biblischen Botschaft liegt dabei eine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit zugrunde, wobei die Übersetzer nicht nur im Sinne herkömmlicher sprachlicher Genauigkeit den Texten gerecht werden wollen, sondern auch versuchen, das ihrer Interpretation nach ursprünglich Gemeinte der biblischen Botschaft zu ermitteln. Und so werden Frauen überall dort explizit erwähnt, wo sie nach Überzeugung der Übersetzer auch mitgemeint waren. Und so spricht die Bibel in gerechter Sprache etwa von „Jüngerinnen und Jüngern“ oder von „Pharisäerinnen und Pharisäern“. Und natürlich darf der Eigenname Gottes nicht in patriarchaler Sprache als „Herr“ übersetzt werde. Stattdessen biete die Bibel in gerechter Sprache dort, wo im Grundtext der Eigenname Gottes steht oder gemeint ist, unterschiedliche Lesemöglichkeiten an: Der Lebendige, die Lebendige, ErSie, der Ewige, die Ewige, Schechina, Gott, Ich-bin-da (Ex 3,14 EU) u. a.

Dabei wird gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ein Problem präsent, das bislang offensichtlich niemand auf dem Schirm hatte: Jesus. Genauer: die historische Person des Jesus Christus, über den im Neuen Testament detailliert von der Geburt im Stall bis zum Tod am Kreuz berichtet wird. Und in allen vier Evangelien wird – bei aller Unterschiedlichkeit – eines deutlich: Jesus war ein Mann. Schlimmer noch: Gottes Sohn – und nicht etwa Gottes Tochter.

Dringender Handlungsbedarf für feministische Theologinnen – aber äußerst schwierig umzusetzen. Denn nicht genug damit, dass in jeder Bibel immer nur von Gottes „Sohn“ die Rede ist – auch die bildliche Darstellung zeigt immer einen Mann, egal ob auf dem obligatorischen Kreuz, das sich in allen Kirchen (meist mehrfach) findet oder den zahllosen bildlichen Darstellungen. Und es wird kaum möglich sein, alle diese Kreuze und Gemälde zu vernichten, zumal die meisten wohl einen nicht unerheblichen kunsthistorischen Wert besitzen. Und da hilft es auch wenig, wenn der katholische Erzbischof Stefan Hamburg kürzlich erklärte, Christus sei Mensch, aber nicht Mann geworden – wohl um die Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche Nachdruck zu unterstreichen. Und eine Tübinger Theologin sekundierte, dass „das Mannsein Jesu erlösungstheologisch nicht von Belang“ sei.

Wichtige Fragen, die noch viele Generationen von Theologen beschäftigen werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html 28.11.2020

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