Hansestadt Lübeck präsentiert: Leitfaden für gendersensible Sprache

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit 35 Jahren gibt es in Deutschland die „geschlechtergerechte“ Sprache, die sich wie eine Epidemie im ganzen Land verbreitet hat. Überall gibt es Anleitungen und Regelwerke, wie diese Sprachregelung umzusetzen ist. Aktuell hat die einstmals stolze Hansestadt – Heimat von Thomas Mann und Willy Brandt – zugeschlagen (gut, dass die beiden das nicht mehr miterleben müssen). Zum Jahresende hat der Bürgermeister der Stadt zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten einen „Leitfaden für gendersensible Sprache bei der Hansestadt Lübeck“ herausgegeben (1).

Schon in der Einleitung wird deutlich gemacht, an wen sich der Leitfaden richtet: „Bei der Hansestadt Lübeck wollen wir alle Menschen ansprechen. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann beschreiben“ (1). Da fühlt sich jede/r/d/x angesprochen. Neu ist dabei der Lübecker Gender-Doppelpunkt (z.B. Bewohner:innen), der sicherstellen soll, dass sich auch tatsächlich alle angesprochen fühlen. Der Leitfaden ersetzt bisherige Regelung „AGA II 1/31“ und gilt für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung (E-Mails, Präsentationen, Broschüren, Presseartikel, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyer, Briefe – und schließt somit auch Formulare ein) Wichtig ist dabei, dass die Formulierungsvorschläge nicht abschließend sind. Die Mitarbeiter der Stadt werden aufgefordert, „sprachliche Veränderungen lebendig zu machen und nach und nach weitere Ideen für gute Formulierungen als gute Beispiele zu verbreiten“ (1).

Und sie werden eindringlich vor Rollenklischees und Stereotypen gewarnt, wie z.B. Mutter-Kind-Parkplatz oder Wickelraum für Mütter. Gleiches gilt für Sprachbilder wie z.B. Not am Mann oder Milchmädchenrechnung. Wenn es sich um eine unbekannte Person handelt, lautet die Ansprache „Guten Tag, Vorname Name“ oder am Ende eines Anschreibens gibt es hierzu folgende Erläuterung: „wie darf ich Sie in Zukunft korrekt ansprechen? Bei der Hansestadt Lübeck bemühen wir uns, alle Menschen mit der von Ihnen bevorzugten Anrede anzusprechen. Im ersten Kontakt nutzen wir daher zunächst die inklusive Anrede „Guten Tag Vorname Name“. Wir freuen uns, wenn Sie uns mitteilen, wie wir Sie in Zukunft anschreiben dürfen“ (1). Da wünscht man sich fast, in Lübeck steuerpflichtig zu sein. Wenn man das erste Anschreiben mit der Aufforderung, seine Steuern zu zahlen, nicht beantwortet, wars das. Keine Zahlungserinnerung, keine Mahnung, kein Gerichtsvollzieher: die Mitarbeiter wissen ja nicht, wie sie mich anreden sollen.

Und dann gibt es noch einen ganz wichtigen Hinweis: „Weitere Vorschläge und Beispiele finden Sie z.B. unter www.geschicktgendern.de“ (2). Wer dort sucht, findet tatsächlich alles, was er braucht: da wird der Agent zur „auskundschaftende Person“, der Gastwirt zum „Betreibenden eines Gastronomiebetriebs“, der Hacker zur „Personen, die fremde Digitaldaten nutzen“ und der Verkehrssünder zur „Verkehrsregeln missachtenden Person“. Die Manndeckung beim Fußball wird zur „personenorientierten Deckung“ und das Arzt-Patienten-Gespräch zur „Kommunikation zwischen behandelnder und behandelter Person“. Nur für den Bundeswehr-Gefreiten wurde noch kein passender Begriff gefunden. Falls man einen Vorschlag hat, kann man den über das Kontaktformular melden. Oder einfach Ursula von der Leyen fragen, die hat bestimmt eine Lösung.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://geschicktgendern.de/doppelpunkt-in-luebeck/
(2) https://geschicktgendern.de/

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