Hochwasser: Schwerwiegende Versäumnisse – Verantwortliche ignorierten Warnungen

Guten Morgen liebe Hessen,

Nach der Flutkatastrophe in verschiedenen Regionen des Landes stellt sich vor allem angesichts der Anzahl der Opfer (mehr als 150) die Frage, ob diese unvermeidbar waren. Fast alle Politiker haben sofort als Ursache der Flutkatastrophe den „Klimawandel“ benannt und damit die Verantwortung für die Opfer delegiert. Dabei stellt sich zunächst überhaupt nicht die Frage, ob die Starkregenfälle und die nachfolgenden Fluten hätten verhindert werden können, sondern ob die zahlreichen Todesopfer vermeidbar gewesen sind. Und allem Anschien nach waren diese – zumindest zum Teil – tatsächlich vermeidbar.

Denn bereits mehrere Tage vor den Fluten lagen den Behörden detaillierte Meldungen über die Überschwemmungsgebiete vor (1). Zu diesem Zeitpunkt gab es Hochwasser-Warnungen mit genauen Ortsangaben, die mit den später besonders schwer betroffenen Regionen exakt übereinstimmten (2). Auch die Sunday Times brachte bereits mehrere Tage zuvor eine exakte Prognose: „extreme flooding, particularly along the Erft and Ahr rivers, and in towns such as Hagen and Altena“. Dennoch gab es keine Warnungen durch Behörden oder gar Evakuierungen. So „verpennte“ der WDR – größter ARD-Sender mit 4.200 Mitarbeitern und einem Etat von 1,63 Mrd. € – die dramatische Wetter-Eskalation“, die sich bereits Tage vorher angekündigt hatte (3). Der WDR, der wie alle öffentlich-rechtlichen Sender einen Informationsauftrag hat und ansonsten für jeden liegengebliebenen LKW-Reifen seine Sendungen unterbricht, brachte in der Regennacht Popmusik (1). Der Branchendienst DWDL warf dem Sender „unterlassene Hilfeleistung“ vor. Noch deutlicher wurde der Meteorologe und MDR-Moderator Jörg Kachelmann: „Ich hätte mich gefreut, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es tut weh, wenn genau die, die die Mittel hätten, um eine solche Wetterlage 24/7 zu begleiten, nichts tun, um Leben zu retten. Aber sie senden irgendeinen Scheiß und lassen die Leute ersaufen“. Dafür brachte ein kleiner lokaler Privatsender – Radio Wuppertal – eine Sondersendung mit aktuellen Warnungen, die aber wohl wegen der geringen Verbreitung nur von wenigen zur Kenntnis genommen werden konnte (3).

Auch die Regierung hatte die zahlreichen Warnungen offensichtlich nicht ernst genommen oder sie nicht mit dem erforderlichen Nachdruck an die jeweils zuständigen Behörden weitergeleitet (4). Die britische Hochwasser-Expertin Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie an der Universität Reading und Mitentwicklerin des europäischen Hochwasser-Warnsystems „Efas“, macht die Bundesregierung und das deutsche Katastrophenschutz-System für die Folgen der Starkregen mitverantwortlich. Efas habe bereits vier Tage vor Beginn der Überschwemmungen Alarm gegeben und „Warnungen an die deutsche und die belgische Regierung“ übermittelt. Nach ihrer Auffassung hätten die Bewohner der betroffenen Gebiete gewarnt oder evakuiert werden müssen, doch irgendwo sei diese Warnkette dann gebrochen, sodass die Meldungen nicht bei den Menschen angekommen sind“ (5). „Die Linke“ fordert deshalb den Rücktritt des zuständigen Innenministers. Der FDP-Politiker Michael Theurer wirft dem Innenminister schwerwiegende Versäumnisse beim Bevölkerungsschutz vor: „Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens, für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt“ (4).

Zurücktreten werden aber weder Seehofer noch sonst irgendein Politiker.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/politik/kolumnen/kolumne/kommentar-von-bild-chef-julian-reichelt-nicht-gewarnt-77123222.bild.html

(2) https://www.focus.de/panorama/wetter-aktuell/hochwasser-lage-im-news-ticker-156-tote-hochwasser-erreicht-berchtesgaden-ueberflutungen-auch-in-sachsen_id_13504141.html

(3) https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/hochwasser-kritik-an-oeffentlich-rechtlicher-berichterstattung-77095106.bild.html

(4) https://www.bild.de/news/2021/news/unwetter-und-hochwasser-in-deutschland-und-oesterreich-alle-news-im-ticker-77083926.bild.html

(5) https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/hochwasser-expertin-bundesregierung-wurde-tage-vor-der-flut-gewarnt-77118616.bild.html

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