HOCHZEITSKORSOS: Bereicherung auf unseren Straßen

Guten Morgen liebe Hessen,

Die vormalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), prägte vor mehr als zehn Jahren ihren immer wieder zitierten Klassiker: „Die 2,7 Millionen Menschen aus türkischen Familien, die in Deutschland leben, gehören zu uns, sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle“ (1). Die Herzlichkeit und Lebensfreude, die für uns alle eine Bereicherung ist, kann fast täglich an vielen Orten der Republik erlebt und besichtigt werden. Vor allem in der bunten und multikulturellen Hauptstadt Berlin, in der die Integrationsbeauftrage ihren Satz verkündete.

Dort ereignete sich vor einigen Tagen mitten in der Stadt ein Vorfall, der – mit einiger Verzögerung – dann doch in zahlreichen Medien für Schlagzeilen sorgte. Im Internet ist der Vorfall auf einem Video eindrucksvoll dokumentiert. Man sieht mehrere Luxus-Fahrzeuge, die die Kreuzung Hardenbergstraße/Ecke Joachimsthaler Straße blockieren. Eines der Fahrzeuge – ein 400-PS-Maserati – „driftet“ mit quietschenden und qualmenden Reifen über die Kreuzung und über einen Fußgängerüberweg. Gleichzeit steht ein Mann mitten auf der Kreuzung und schwenkt eine Türkei-Fahne. Ein weiterer Mann mit einer Türkei-Fahne steht auf dem Dach eines Kleinwagens. Der Vorfall war nach Zeugenaussagen Teil einer türkischen Hochzeitsfeier. Diese berichteten auch, dass der Autokorso „mit gefühlten 100 km/h“ weiter in Richtung Ernst-Reuther-Platz gerast sei und dass vor Ort am Bahnhof Polizeibeamte standen, die untätig zuschauten und nicht einschritten (2).

Eigentlich nichts Besonderes, sondern ein typisches Szenario, wie man es von den zahlreichen sogenannten „Hochzeitskorsos“ kennt. Alleine im multikulturellen NRW gab es innerhalb von nur fünf Monaten mehr als 250 ähnliche Vorfälle – meist mit vollständiger Blockade von Autobahnen und teilweise Schusswaffengebrauch.

Die Feierenden sind sich in der Regel keiner Schuld bewusst. Auch der Besitzer des Maserati – Mustafa M. – nicht. Er gab an, nicht gefahren zu sein. Auch seine Frau nicht, auf die das Fahrzeug zugelassen ist: „Nein, nein! Meine Frau fährt doch nicht so! Wie soll das gehen?“ (3). Und Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien in Essen wirbt für Verständnis (des Gastgeberlandes), denn: Hochzeitskorsos haben in der Türkei eine lange Tradition (4). Und obwohl Autobahnblockaden oder die in Berlin gezeigten Aktionen eigentlich gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr mit erheblichem Gefährdungspotential darstellen (Strafandrohung bis 5 Jahre Haft), passiert den Feiernden in der Regel nichts. Hin und wieder gibt es eine gebührenpflichtige Verwarnung und – in wenigen Einzelfällen – einen vierwöchigen Führerscheinentzug. Aber mehr auch nicht. Und da ist es natürlich folgerichtig, dass sich niemand davon abhalten lässt, weiterzumachen wie bisher. Denn die Feiernden wissen, dass sie kein Risiko eingehen. Meist werden die Täter ohnehin nicht ermittelt – und wenn, zahlt man maximal ein paar hundert Euro.

Die verantwortlichen Politiker verlangen von den Bürgern ständig, dass sie Respekt vor Zuwanderern und deren Kultur, Religion und Gebräuchen zeigen sollen. Stattdessen sollten sie in erster Linie von allen Zuwanderern Respekt vor unserer Rechtsordnung verlangen. Und Verstöße gegen die Rechtsordnung sollten dann auch angemessen geahndet werden. Für das im Video gezeigte Verhalten des Fahrers wäre hier in jedem Fall eine Haftstrafe ohne Bewährung, ein langjähriger Führerscheinentzug und die anschließende Ausweisung in die Heimat angezeigt.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/umfrage-mehrzahl-der-tuerken-fuehlt-sich-in-deutschland-unerwuenscht-a-541136.html
(2) https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/driften-vor-berliner-bahnhof-zoo-war-das-teil-einer-tuerkischen-hochzeit-68777128.bild.html
(3) https://www.bild.de/bild-plus/regional/berlin/berlin-aktuell/driften-vor-berliner-bahnhof-zoo-rowdy-fahrer-will-sich-der-polizei-stellen-68788558.bild.html
(4) https://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Immer-wieder-Chaos-bei-tuerkischen-Hochzeitskorsos-Experten-erklaeren-was-dahinter-steckt

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