Immer was los in der Flüchtlingsunterkunft: Von Januar bis Mai 2021 155 Straftaten im Heim

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich erschien im FOCUS ein Bericht aus dem Asylbewerberheim in Suhl, das wegen Unruhen, Gewalt und Polizeieinsätzen bundesweit Negativ-Schlagzeilen machte. Schon als der Reporter den Eingang des Heims passiert, berichtete ihm der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, dass es „jeden Tag Ärger“ gebe: „Heute Nacht sind dort wieder Stühle aus den Fenstern geflogen. Immer was los hier“. Tatsächlich zählte die Polizei im Zeitraum von Januar bis Mai 2021 155 Straftaten im Heim – jeden Tag eine. Meist kleine Delikte, aber auch „blutige Schlägereien und Zerstörungs-Orgien“. Einmal mussten schwer bewaffnete SEK-Einheiten anrücken, ein anderes Mal wurde über eine Einbruchserie in Wohnhäusern nahe der Asylunterkunft berichtet. Die Asylbewerber erhalten 120 Euro Taschengeld im Monat. Vermutlich hat der eine oder andere in seiner Heimat mit Arbeit weniger verdient. Dennoch sind viele unzufrieden: „Die beschweren sich, dass sie vom deutschen Staat viel zu wenig Geld kriegen“, berichtet ein Heimmitarbeiter. Die Asylbewerber haben zwar die Möglichkeit, Geld hinzuzuverdienen, indem sie z.B. in der Wäscherei der Unterkunft arbeiten, die Grünanlagen pflegen oder Müll aufsammeln. Aber bei einer Bezahlung von 80 Cent pro Stunde ist das Interesse gering. Während sich die Mehrheit der Asylbewerber gesetzeskonform verhält, gibt es eine kleine – aber sehr aktive – Gruppe von jungen Männern, die vorwiegend aus den Maghreb-Staaten und arabischen Ländern stammen und immer wieder negativ auffällt. Dabei gibt es Integrationsangebote im Heim, wobei jedoch das Interesse gering ist: „Viele unserer Angebote werden kaum nachgefragt. Thüringen steckt da viel Geld rein, aber die Resonanz ist sehr überschaubar. Die meisten haben kein Interesse an Förderprogrammen zur Integration“ – so der Chef des Landesverwaltungsamts. Möglicherweise werden die Angebote nicht einmal wahrgenommen, selbst wenn die entsprechenden Aushänge oder Einladungen zu Veranstaltungen auf Englisch oder Arabisch verfasst sind, denn „eine große Zahl der Heimbewohner sind Analphabeten“ (1).

Eine Suhler Polizeibeamtin hatte die Aufgabe übernommen, Asylbewerber über das deutsche Rechtssystem aufklären, um dadurch Straftaten vorbeugen. Die von ihr organisierten Aufklärungsveranstaltung fanden nur wenig Interesse: nur 2 der 400 Heimbewohner nahmen teil. Auch andere Veranstaltungen stoßen auf wenig Interesse – wie etwa Deutschstunden, Nähkursen, Computerlektionen, Handwerksarbeiten oder kleinen Jobs auf dem Heimgelände. Eigentlich sollte man erwarten, dass Asylbewerber jede sich bietende Chance nutzen, sich so früh wie möglich in die Gesellschaft des Gastlandes einzugliedern. Dabei kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern, die zur massiven Zerstörung von Inventar und Einrichtung führen. Bereits kleinste Anlässe reichen aus, um Aggressionen unter den Bewohnern zu erzeugen. So kam es 2015 im Heim zu massiven Unruhen, als ein Asylbewerber einen Koran zerriss. Im Heim leben Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Weltanschauungen auf engem Raum zusammen. Das führt zwangsläufig zu Konflikten, selbst unter Bewohnern die aus demselben Land stammen (2).

Aber wenn ein konfliktfreies Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Weltanschauungen bereits in einem Lager von begrenzter Größe nicht realisiert werden kann, wird es in einer Kommune, einem Landkreis oder einem Staat erst recht nicht funktionieren.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/perspektiven/report-aus-thueringer-fluechtlingsheim-spuren-der-gewalt-zeichen-der-hoffnung-was-ich-im-problem-asylheim-in-suhl-erlebte_id_13393625.html

(2) https://www.focus.de/perspektiven/report-aus-thueringer-asylbewerberheim-suhler-polizistin-will-fluechtlinge-von-gewalt-abhalten-aber-viele-ignorieren-ihr-angebot_id_13397686.html

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