IMMER WIEDER ILLEGALE AUTORENNEN: Mohamed G. (19) fährt Mutter (43) von 3 Kindern tot

Guten Morgen liebe Hessen,

Jeden Tag ereignen sich Unfälle mit Kraftfahrzeugen – als allgemein akzeptierter Preis für individuelle und weitgehend unbeschränkte Mobilität. Ursache von Unfällen ist meist eine fahrlässige Nichtbeachtung von Verkehrsregeln. Weniger häufig ist grobes Fehlverhalten mit besonders rücksichtlosem Verhalten ursächlich. Doch diese Fälle nehmen seit einigen Jahren zu. Dabei wird immer wieder eine klassische Fallkonstellation beobachtet: junge Männer, die sich aufgrund fehlender Erfolgserlebnisse in der Leistungsgesellschaft (kein Schulabschluss, kein Beruf, wenig Geld) im sozialen Abseits sehen, haben den Wunsch, diesen Makel mittels eines PS-starken Fahrzeugs zu kompensieren. Denn dieses Fahrzeug vermittelt – zumindest bei schlichteren Charakteren –den Eindruck finanzieller Potenz und damit indirekt auch besonderer Leistung und gesellschaftlichen Erfolgs. Dieser Eindruck kann jedoch täuschen – denn das Fahrzeug kann natürlich auch geliehen oder gestohlen sein. Vielen reicht dieser oberflächliche Eindruck jedoch nicht aus. Sie haben das Bedürfnis, zusätzlich die Fahrleistung auch öffentlich für alle erkennbar werden lassen, z.B. durch besonders lautes oder schnelles Fahren.

Wenn solche Charaktere dann auf Gleichgesinnte treffen, entsteht nicht selten das gemeinsame Bedürfnis, die Fähigkeiten von Fahrer und Fahrzeug zu vergleichen. Was dann folgt, wird meist als „illegales Autorennen“ bezeichnen, ist jedoch ein extrem rücksichtloses und asoziales Verhalten, wobei die Täter sämtliche Verkehrsregeln grob missachten und sich auch innerhalb geschlossener Ortschaften teilweise mit Geschwindigkeit von über 150 km/h bewegen. Dabei sind „Kollateralschäden“ fast unvermeidbar und werden von den Fahrern auch billigend in Kauf genommen. Folge solcher Autorennen: schwere Unfälle, bei denen nicht selten völlig unbeteiligte Personen verletzt oder getötet werden. So z.B. im März 2019 in Stuttgart der 20-jährige Mert T. mit einem geliehenen 550-PS-Jaguar (1) oder in Dresden der 18-jährige Zoro T. (2) oder in Moers die beiden 22-jährigen Kushtrim H. und Ismail S. (3).

Aktueller Fall: im Dezember 2019 besteigt der Fahranfänger Mohamed G. (19) nach einem Besuch in einer Shisha-Bar in Halle seinen (?) Mercedes CLS. Zeitgleich besteigt dort ein anderer Mann seinen BMW. Für beide Männer wohl eine Herausforderung, der sie nicht aus dem Weg gehen können. Kurze Zeit später rasen beide mit 120 km/h durch die Stadt. Mohamed fährt über die rote Ampel und erfasst eine 43-jährige Frau – Mutter von drei Söhnen im Alter von 14 bis 20 – die kurz darauf im Krankenhaus ihren Verletzungen erliegt. Der Fahrer flieht, wird jedoch kurze Zeit später ermittelt, kommt aber nicht in U-Haft. Wozu auch? Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht (4). Im Jugendstrafrecht ist da nur eine moderate Freiheitsstrafe zu erwarten, die zur Bewährung ausgesetzt wird, vielleicht noch ein paar Sozialstunden. Da besteht keine Fluchtgefahr, die eine U-Haft rechtfertigen würde. Und den Führerschein wird er wahrscheinlich spätestens in einem Jahr wiederbekommen. Da muss er beim nächsten Rennen wenigstens keine Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis befürchten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.heidelberg24.de/region/stuttgart-jaguar-raser-wegen-mordes-angeklagt-dramatische-szenen-gericht-12992462.html

(2) https://www.bild.de/regional/dresden/dresden-aktuell/unfall-in-dresden-radlerin-55-von-mercedes-erfasst-tot-67238630.bild.html

(3) https://www.derwesten.de/region/nrw-moers-raser-22-aus-duisburg-toetet-mutter-43-bei-illegalem-rennen-dieser-satz-vor-gericht-schockiert-id228392589.html

(4) https://www.bild.de/bild-plus/news/inland/news-inland/drei-soehne-verloren-ihre-mutter-sie-wurde-bei-einem-illegalen-autorennen-totgef-71250602.bild.html

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