Initiative Schwarzer Menschen feiert Wortsäuberung: Nahverkehrsbetriebe streichen Begriff „Schwarzfahren“

Guten Morgen liebe Hessen,

Nachdem die Sprachsäuberer erfolgreich gegen die zahlreichen Mohrenapotheken vorgegangen sind und auch der Sarotti-Mohr der Vergangenheit angehört, vermeldeten die Zeitungen nunmehr einen weiteren Schritt in die diskriminierungsfreie Sprache. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) haben angekündigt, zukünftig auf die Verwendung des Begriffes „Schwarzfahren“ zu verzichten. Die Verkehrsgesellschaften begründeten dies als „“Maßnahme für eine zeitgemässere Kommunikation“ (1). Die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) tauscht nunmehr Plakate, auf denen das Wort „Schwarzfahren“ zu lesen war, aus. Bislang fanden sich in den Bussen und Bahnen der MVG überall Hinweise auf die Folge einer Beförderungserschleichung: „Schwarzfahren kostet 60 Euro!“ (2) Wie „Schwarzfahrer“ zukünftig benannt werden sollen, ist dabei noch offen. In Frage kämen „Ticketsünder“ oder „Beförderungserschleicher“.

Jürgen Kunze, emeritierter Professor am Institut für deutsche Sprache und Linguistik an der Humboldt-Universität in Berlin, erklärt, dass das Wort „Schwarzfahrer“ nichts mit Rassismus zu tun hat (3). Denn der Begriff „Schwarzfahren“ kommt nicht von der Farbe schwarz, sondern von dem jiddischen Wort „shvarts“, welches „arm“ bedeutet (1). Der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer zeigte sich verwundert über die neue Sprachregelung im Münchner Nahverkehr: „Als ehemaliger Verkehrsminister kann ich nur noch den Kopf schütteln. Die haben doch alle einen Knall!“ (2).

Dagegen begrüßte die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) diese Maßnahme. Tahir Della, Sprecher der Initiative, zeigte sich erfreut über diesen Schritt: „Es ist begrüßenswert, denn der Begriff hat für Schwarze Menschen einen negativen Anklang“. Denn es werde damit assoziiert, „dass Schwarzes für etwas Negatives steht“ und weiter: „Auch wenn Schwarzfahren überhaupt nicht rassistisch angelegt war, ist trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass schwarz für etwas Negatives steht, für Kriminalität etwa oder Illegalität“. Della forderte, auch explizit schwarze Menschen anzuhören, wie sie entsprechende Bezeichnungen wahrnehmen (1). Das ist aus seiner Sicht natürlich sinnvoll und erforderlich.

Somit sollen zukünftig über die Zulässigkeit eines Begriffes nicht mehr objektive Kriterien entscheidend sein, sondern die subjektive Wahrnehmung „schwarzer“ Menschen. Da wird es dann viel zu tun geben, denn es gibt zahllose Begriffe, die das Wort „schwarz“ enthalten und negativ konnotiert sind: Schwarzarbeit, Schwarzgeld, Schwarzbrennerei, Schwarzhändler, Schwarzmalerei, Schwarzmarkt, Schwarzsehen und –hören usw. Und diese Begriffe werden nicht nur umgangssprachlich verwendet, sondern haben vielfach auch Eingang in die Amtssprache gefunden. So gibt es z.B. ein „Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung (Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz – SchwarzArbG)“. Da wird es wahrscheinlich erforderlich werden, den Begriff „schwarz“ komplett zu verbieten – oder schwarze Menschen nicht mehr als schwarz zu bezeichnen, sondern als „nicht-weiß“, damit sie sich nicht diskriminiert fühlen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-07/schwarzfahren-bvg-mvg-begriff-rassismus-isd-ankuendigung

(2) https://www.berliner-zeitung.de/news/berlin-die-bvg-schafft-das-wort-schwarzfahren-ab-li.170057

(3) https://www.focus.de/panorama/welt/rassismusdebatte-um-schwarzfahrer-eine-reine-vorsichtsmassnahme-staedte-ersetzen-den-begriff-schwarzfahrer_id_13477510.html

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