Integrationsbeauftragte fordert mehr Migranten in Verwaltung – interkulturelle Kompetenz als Eignungskriterium

Guten Morgen liebe Hessen,

Die derzeitige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung – Nachfolgerin der legendären Aydan Özoguz – Annette Widmann-Mauz (CDU), forderte kürzlich mehr Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln in der Bundesverwaltung. Denn der Anteil der Migranten in der Bundesverwaltung liege derzeit bei etwa 12 Prozent, in der Gesamtbevölkerung jedoch doppelt so hoch (1). Grundlage dieser Forderung ist eine neue Studie über die „Diversitäts- und Chancengleichheit in der Bundesverwaltung“, die sich mit der Frage von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in der Bundesverwaltung beschäftigt. Nach den Ergebnissen dieser Studie sind Mitarbeiter mit Einwanderungshintergrund öfter befristet angestellt, werden seltener befördert und arbeiten häufiger in Stellen, für die sie überqualifiziert sind (2).

Die Integrationsbeauftragte betonte, dass „eine Frau Yilmaz beim Bewerbungsgespräch immer noch mehr Probleme habe, die Stelle zu bekommen als eine Frau Müller“. Sie forderte, dass an Mitarbeiter mit Migrationshintergrund „das Signal gesendet werden, dass ihre Mitarbeit als bereichernd empfunden werde“. Nach ihren Ausführungen zeigen die Ergebnisse der Studie „die Potenziale von Vielfalt“, den Beschäftigte mit Migrationshintergrund zeichneten sich im Vergleich zu anderen Mitarbeitern „durch höhere Arbeitszufriedenheit, höheres Engagement und höhere Verbundenheit mit dem Arbeitgeber aus“ (1).

Offensichtlich unterstellt die Integrationsbeauftragte, dass in Bundesbehörden permanent gegen Recht und Gesetz verstoßen wird. Für Bedienstete der öffentlichen Verwaltung gilt der Grundsatz der Bestenauslese, wie er in Art. 33 GG festgelegt ist. Danach sind Einstellungskriterien „Eignung, Befähigung und fachliche Leistung“. Grundsätzlich kann jedoch unterstellt werden, dass bei Einstellung in Behörden nach diesem Grundsatz verfahren wird, zumal das Vorgehen bei Bewerbungsverfahren weitgehend standardisiert ist und die Entscheidung immer durch eine aus mehreren Personen bestehende Kommission getroffen wird. Insoweit kann unterstellt werden, dass – abgesehen von wenigen Ausnahmen – alle Einstellungen und Beförderungen bei Behörden nach diesen Grundsätzen erfolgen.

Wenn sich dann bei einer deskriptiven Auswertung zeigt, dass die Struktur von Behördenmitarbeitern keinen repräsentativen Ausschnitt aus der Bevölkerung bildet, lässt das keinesfalls – wie die Integrationsbeauftrage glaubt – darauf schließen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen – wie etwa Migranten – systematisch benachteiligt werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich Angehörige dieser Gruppe seltener für eine entsprechende Stelle bewerben und/oder beim Auswahlverfahren insgesamt schlechter abschneiden als die Vergleichsgruppe, d.h. eine geringere Qualifikation oder Leistung zeigen. Ein solches Ergebnis stellt aber keinesfalls das bewährte und gerechte Auswahlerfahren in Frage.

Dennoch sehen die Autoren der Studie einen Handlungsbedarf, um den Migrantenanteil zu erhöhen, z.B. durch „Diversitätsmanagement und den Ausbau interkultureller Kompetenzen“ (2). Was damit gemeint sein soll, kann man sich leicht vorstellen: die fehlende fachliche Qualifikation soll zunehmend durch „interkulturelle Kompetenz“ ersetzt werden.


Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/bundesverwaltung-widmann-mauz/
(2) https://www.bib.bund.de/Publikation/2020/Kulturelle-Diversitaet-und-Chancengleichheit-in-der-Bundesverwaltung.html?nn=10427608

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