Jeder zweite Corona-Patient hat Migrationshintergrund, mögliche Gründe: soziale Situation und kultureller Hintergrund

Guten Morgen liebe Hessen,

„Erstmals konkrete Zahlen“ – so titelte der FOCUS kürzlich. Es ging dabei um die Frage, wer eigentlich die zahlreichen Corona-Patienten sind, die auf den Intensivstationen behandelt werden bzw. welche gemeinsamen Merkmale diese Patienten verbindet. Ein in der Epidemiologie gängiges Verfahren. Denn das Ziel epidemiologischer Studien ist es, Gemeinsamkeiten von Patienten zu ermitteln, die an einer bestimmten Erkrankung leiden (oder an einem besonders schwerwiegenden Verlauf einer Erkrankung), um alle diese Erkrankung bzw. den schwerwiegenden Verlauf begünstigende Faktoren ausschalten zu können. Auf diese Weise wurde bei vielen Erkrankungen Ursachen und begünstigende Faktoren herausgefunden: z.B. das Rauchen bei Bronchialkarzinomen, Strahlenexposition bei Leukämie, Übergewicht bei Diabetes oder Alkohol bei der Leberzirrhose.

Auch bei schweren und tödlichen Verläufen der Corona-Infektion gibt es Korrelationen mit bestimmten Faktoren: so wurde auch ohne wissenschaftliche Untersuchung schnell deutlich, dass schwere Verlaufsformen der Infektion vor allem bei älteren und multimorbiden Patienten auftreten. Jetzt hat der FOCUS ein Dokument mit einem „alarmierenden“ Corona-Befund aus einem Kölner Großkrankenhaus erhalten: mehr als 50 % der Corona-Patienten haben einen Migrationshintergrund, bei den Intensiv-Patienten sind es sogar mehr als 65 %. Der Informant will anonym bleiben, weil das Thema zu „heikel“ ist (1). Verständlich, denn alleine die wertfreie und unkommentierte Darstellung dieses Sachverhaltes setzt den Informanten dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus aus. Dabei ist mit der Darstellung der Fakten nichts über den kausalen Zusammenhang gesagt. Wenn aber mehr als 50 % der Corona-Patienten einen Migrationshintergrund haben, aber nur 25 % der Gesamtbevölkerung, drängt sich die Frage nach den Ursachen auf.

Nach einer OECD-Studie sind Einwanderer „besonders von den gesundheitlichen Folgen der Pandemie betroffen“. Als Ursachen werden soziale Probleme und beengte Wohnverhältnisse vermutet, aber auch ein Informationsdefizit aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse („Kommunikationsbarriere“). Daneben macht der Migrationsexperte Toprak jedoch auch kulturelle Wurzeln verantwortlich: „Während bei den deutschen Bürgern der Trend zum Single und der Kleinfamilie zunimmt, wird von vielen Menschen aus der Türkei, dem Orient oder aus Osteuropa die Großfamilie noch richtig gelebt wird“. Das zeigt sich nicht zuletzt in Familienfeiern – wie etwa Hochzeiten oder Beerdigungen – zu denen teilweise hunderte von Familienangehörigen aus der ganzen Republik anreisen. Bei diesen Feiern werden dann auch die Abstands- und Hygieneregeln nicht immer eingehalten und die Behörden greifen aus Angst vor eine Eskalation der Situation vielfach nicht ein (1).

Ergebnis: Grund für den hohen Prozentsatz an Patienten mit Migrationshintergrund ist zum einen die soziale Situation, zum anderen aber auch der kulturelle Hintergrund. Dieses Thema – und eine mögliche Lösung des Problems – wird jedoch von niemandem angesprochen, weil es nicht in das Bild des weltoffenen und toleranten Deutschland passt.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.focus.de/politik/deutschland/erstmals-konkrete-zahlen-dfdfdf_id_13171359.html

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