„Junge Männer“ und PS-starke Autos: Protzfahrten enden häufig tödlich

Guten Morgen liebe Hessen,

Deutschland ist – bislang jedenfalls noch – eine Leistungsgesellschaft, in der die gesellschaftliche Anerkennung des Einzelnen vor allem durch eigene Leistung bestimmt wird, z.B. einen erfolgreichen Schul- oder Berufsabschluss oder eine besonders anspruchs- oder verantwortungsvolle Tätigkeit. Diese Erfolge sind jedoch nur nach einem jahrzehntelangen mühevollen Weg erreichbar. Viele sind hierzu jedoch nicht in der Lage oder nicht bereit. Und die suchen sich einen anderen – einfacheren – Weg, um zu Anerkennung zu kommen. Zum Beispiel mit einem PS-starken Auto. Das vermittelt – zumindest bei schlichteren Charakteren – den Eindruck finanzieller Potenz und damit indirekt auch besonderer Leistung. Dieser Eindruck kann jedoch täuschen – denn das Fahrzeug kann natürlich auch geliehen oder gestohlen sein. Meist handelt es sich bei den Fahrern um „junge Männer“, die in der Leistungsgesellschaft versagt haben (kein Schulabschluss, kein Beruf, wenig Geld) und deshalb zur Kompensation ein PS-starkes Fahrzeug benötigen. Treffen zwei dieser Figuren aufeinander, haben sie oft das Bedürfnis, auszutesten, wer mit seinem (meist geliehenen oder gestohlenen) Fahrzeug schneller ist. Und da gelten dann grundsätzlich keine Verkehrsregeln mehr – weder eine Geschwindigkeitsbeschränkung noch eine rote Ampel oder irgendwelche Vorfahrtsregeln. Und selbstverständlich wird auch keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer genommen. Und so kommt es bei diesen Rennen nicht selten zu schweren Unfällen mit Verletzten oder Toten.

So z.B. der 18-jährige Zoro T., Fahranfänger und PS-Protz. Erst seit wenigen Wochen war der Iraker im Besitz eines Führerscheins, aber bereits auffällig geworden: „Im Internet veröffentlichte er ein Video von einer Autofahrt durch die Stadt bei Tempo 120! Auf Bildern posiert er stolz mit verschiedenen Limousinen“ (1). Und am Unfalltag fuhr er an einer fahrenden Kolonne Autos vorbei, obwohl hier Überholverbot herrscht – und selbstverständlich auch viel zu schnell. In Dresden lieferten sich Mohammad F. (31) und Mouhammed H. (23) – beide aus Syrien – mitten in der Stadt ein Rennen. Der eine mit einem BMW, der andere mit einem Mercedes. In Höhe einer Bushaltestelle überquerten gerade drei Kinder die Straße. Zwei schafften es, ein drittes (6 Jahre alt) wird vom Mercedes erfasst und stirbt kurz darauf in der Klinik (2, 3).

Der aktuelle Fall ereignete sich am 02.02.2021 in Berlin. Vier „junge Männer“ im Alter von 19 bis 21 Jahren – Yusuf, Hamoudi, Hassan und Omran – sind gegen 22.40 h mit einem Sport-Audi RS5 (450 PS) am Treptower Park unterwegs. Das Fahrzeug ist in einer 30-Zone mit hoher Geschwindigkeit – laut einem Experten etwa 150 km/h – unterwegs. An einer Kreuzung verliert der 21-jährige Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug, das gegen einen Baucontainer prallt und sofort in Flammen aufgeht. Drei der Insassen sterben, nur der Fahrer Omran E. überlebt leicht verletzt. Er wird dem Haftrichter vorgeführt, der jedoch keine Haftgründe sieht (4). Das Fahrzeug soll von den jungen Männern bei einem Autoverleih angemietet worden sein. Nach Angaben der Angehörigen gehört der Audi der Familie des Fahrers (5). Wie dem auch sei – der Eigentümer hatte sein – völlig übermotorisiertes – Fahrzeug vier jungen Männern überlassen, denen es erkennbar nicht darum ging, von A nach B zu fahren. Denn da hätte es auch ein VW Golf oder ein Opel Astra getan. Und so müsste im weiteren Verfahren eigentlich auch der Eigentümer auf die Anklagebank.

Aber wahrscheinlich wird sogar der Fahrer mit einer milden Bewährungsstrafe davonkommen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/regional/dresden/dresden-aktuell/unfall-dresden-ps-protzer-18-rast-radfahrerin-tot-67279786.bild.html
(2) https://www.bz-berlin.de/deutschland/dresden-autorennen-junge-6-von-raser-erfasst-und-toedlich-verletzt
(3) https://www.bild.de/bild-plus/regional/dresden/dresden-aktuell/dresden-raser-unfall-hier-grinst-der-totraser-mit-dem-stinkefinger-72551810.bild.html
(4) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466365/7
(5) https://www.bild.de/bild-plus/regional/berlin/berlin-aktuell/horror-crash-in-berlin-so-wurde-der-todes-audi-online-angepriesen-75217418.bild.html

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