Kanzler Scholz fordert „Equal Pay“ im Fußball – Ordnet er auch Eintrittskarten-Parität an?

Guten
Morgen liebe Hessen,

Anlässlich
des Vorrundenspiels Deutschland gegen Spanien der Frauen-Fußball-EM meldete
sich der Bundeskanzler zu Wort und forderte ein „equal pay“ für Frauen im
Sport: „Wir haben 2022 – Männer und Frauen sollten gleich bezahlt werden“. Der
DFB-Direktor Oliver Bierhoff reagierte erstaunt auf die Äußerung des Kanzlers:
„Mich wundert die Aussage. Ich lade ihn gerne ein, dann kläre ich ihn ein
bisschen über die Zahlen auf“. Was er genau damit meint, sagt er nicht. Aber
man kann es sich vorstellen. Denn die Gehälter oder Prämien, die im Sport
bezahlt werden, haben nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern ausschließlich
mit dem öffentlichen Interesse an einer Sportart bzw. an einem bestimmten
Akteur (1).

So
gibt es populäre Sportarten mit einer großen Anzahl von Zuschauern, die über
Eintrittsgelder, Werbeeinnahmen und Senderechten hohe Summen einbringen, die
dann zu einem erheblichen Teil an die jeweils beteiligten Sportler
weitergereicht werden. Und es gibt Sportarten, die nur ein geringes Interesse
in der Bevölkerung auslösen mit der Folge, dass hier nur geringe Einnahmen
generiert werden können mit der Folge, dass die Sportler dann auch deutlich
weniger erhalten. Dabei sind die Unterschiede erheblich. Manche Fußballstars erhalten
Millionensummen, andere Sportler so wenig, dass sie davon nicht leben können
und sich einen Nebenjob suchen müssen. Dennoch ist die Höhe der Gehälter ein
Ausdruck des öffentlichen Interesses und der Bereitschaft der Bevölkerung, für
eine bestimmte Sportart bzw. einen bestimmten Sportler zu zahlen und für andere
nicht.

Und
das wird auch im Fußball deutlich. Das Publikumsinteresse für Männer- bzw.
Frauenfußball ist sehr unterschiedlich. So lag in der Fußball-Bundesliga die
durchschnittliche Zuschauerzahl pro Spiel in den vergangenen 20 Jahren (vor
Corona) bei den Männern bei etwa 40.000, bei den Frauen bei unter 1.000 (2). Somit
sind die Einnahmen aus dem Kartenverkauf, den Sende- und Werberechten bei den
Spielen des Männer-Fußballs ungleich höher als beim Frauenfußball. Und genau
deshalb erhalten die männlichen Kicker auch höhere Gehälter und Prämien. Wer
daran etwas ändern will – wie der Bundeskanzler – missachtet die Gesetze des
Marktes und das Recht jedes einzelnen Fußball-Fans, sich für ein bestimmtes
Spiel zu interessieren und für ein anderes eben nicht.

Und
so kann man sich leicht vorstellen, wie der Kanzler das „Problem“ lösen will,
falls der DFB seine Forderung nicht freiwillig erfüllt. Wahrscheinlich wird er
anordnen, dass jeder, der sich ein Ticket für ein Spiel der Männer-Bundesliga oder
der Männer-EM kauft, auch eines für ein entsprechendes Frauen-Spiel erwerben
muss, damit der Geschlechtergerechtigkeit Genüge getan wird. Damit wird das
Interesse für den Frauenfußball zwar nicht zunehmen, aber Deutschland wird
damit ein Stück gerechter.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.sportschau.de/fussball/frauen-em/fussball-em-england-scholz-equal-pay-100.html

(2) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/193131/umfrage/durchschnittliche-zuschauerzahl-der-herren-und-frauen-fussballbundesliga/

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