Kein Aprilscherz: In Zeiten der Pandemie gibt es zu wenig Schutzkleidung

Guten Morgen liebe Hessen,

Noch zu Goethes Zeiten waren selbst kleine chirurgische Eingriffe lebensgefährlich, da noch keine Verfahren der Anästhesie bekannt waren und Wundinfektionen häufig und lebensgefährlich waren. Erst Ignatz Semmelweis entdeckte Mitte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Hygiene für die Vermeidung von Infektionen bei operativen Eingriffen. Seit mehr als 100 Jahren ist die Einhaltung von Hygienestandards bei allen medizinischen Eingriffen obligatorisch, wozu insbesondere das Tragen von Schutzkleidung, Handschuhen und Mundschutz gehört. Handschuhe, Mundschutz und Schutzkleidung gehören daher zur Grundausstattung jeder Arztpraxis und jeder Klinik, da ohne diese Ausrüstung ein Betrieb nicht möglich ist. Die Sicherstellung einer entsprechenden Versorgung mit diesen Gegenständen ist daher obligatorisch und muss durch Politik und Verwaltung gewährleistet werden – auch und gerade in Zeiten einer Epidemie oder Pandemie.

Wie gut das funktioniert, kann man aktuell in vielen Kliniken und Arztpraxen besichtigen. Derzeit klagen zahllose Ärzte und Klinikchefs darüber, dass Handschuhe, Mundschutz und Schutzkleidung praktisch nicht mehr geliefert werden. Das liegt einerseits am aktuell höheren Bedarf und andererseits daran, dass die Hersteller überwiegend in China ihren Sitz haben und keinen Nachschub mehr liefern. BILD titelte kürzlich: „Masken-Skandal! Ärzte dürfen 2 Stück bestellen – aber nur, wenn sie Corona-Fälle beweisen können“. Die Lage – so das Blatt – sei dramatisch, „denn der Vorrat ist knapp, teilweise bereits erschöpft“. Kurz zuvor hatte der Bundesgesundheitsminister den Ärzten und Kliniken eine schnelle Lieferung von 10 Millionen dringend benötigter Schutzmasken versprochen, aber: „die Praxen im Land bekamen nicht mal einen Bruchteil ab“. Der Kinderarzt Dr. B. aus Hannover wird wie folgt zitiert: „Wir haben noch 200 Mundschutzmasken. Das reicht bis maximal Ende der Woche, dann müsste ich die Praxis zumachen!“. Die Ärzte können zwar über die Kassenärztliche Vereinigung Schutzkleidung bestellen. Sie müssen jedoch eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass sie tatsächlich Corona-Patienten behandeln. Und dann erhalten sie pro Patient 2 Masken, 2 Paar Handschuhe und 2 Schutzanzüge (1). Das ist bei weitem nicht ausreichend, da für jede Behandlung ein Schutz erforderlich ist und dieser natürlich auch für das Hilfspersonal. Und Schutzkleidung wird nicht nur für Corona-Patienten benötigt, sondern auch bei der Behandlung anderer infektiöser Patienten.

Hier zeigt sich einmal mehr die völlige Unfähigkeit der länger schon Regierenden. In Krisenzeiten – wie aktuell in der Corona-Pandemie – fehlen einfachste Hilfsmittel, um medizinische Untersuchungen und Behandlungen durchführen zu können. Deutschland besitzt eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Zahlreiche hoch qualifizierte Ärzte und medizinisches Personal sind in gut ausgerüsteten Praxen und Kliniken tätig. Aber es fehlt an einfachsten Hilfsmitteln, ohne die auch bestes Personal in optimal ausgestatteten Einrichtungen nichts ausrichten kann. Für eine Krise wie diese ist das Land nicht vorbereitet – dank seiner unfähigen Politiker. Dafür haben wir aber nach wie vor weltweit die meisten Genderlehrstühle und Vorschriften für eine geschlechtergerechte Sprache, die auch jeden unentschlossenen Diversen diskriminierungsfrei und korrekt anredet: „Liebe Corona-Patientin, lieber Corona-Patient, lieber diverser Corona-PatXXXX, leider bleibt unsere Klinik wegen Materialmangels bis auf weiteres geschlossen“.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/regional/hannover/hannover-aktuell/masken-skandal-aerzte-duerfen-bei-corona-fall-2-stueck-bestellen-69606210.bild.html

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