KEIN PLATZ FÜR RASSISMUS: Dunkelhäutiger darf nicht als Dunkelhäutiger bezeichnet werden

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit mehr als 100 Jahren steht der „Sarotti-Mohr“ als Werbefigur im Mannheimer Capitol. Und 100 Jahre hat das niemanden gestört. Bis Tahir Della kam, aktiv in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V., einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland zu vertreten und „für Gerechtigkeit in der Migrationsgesellschaft einzustehen“ (1). Insbesondere mit der deutschen Kolonialzeit hat Della seine Probleme, obwohl diese bereits mehr als 100 Jahre zurück liegt. Denn – so Della – „ihr historisches Erbe wirkt bis in die Gegenwart nach“. Deshalb müsse sich Deutschland seiner kolonialen Vergangenheit stellen, was auch Reparationszahlungen beinhalten müsse (2, 3). Was Della nicht fordert: Reparationszahlungen der ehemaligen Kolonien für die technische Unterstützung beim Bau von Straßen und Eisenbahnen und für die vielen Milliarden an Entwicklungshilfe, die seit dem Ende der Kolonialzeit geflossen sind.

Aber zurück zum Sarotti-Mohren – aus Sicht Dellas ein rassistisches Symbol, das dringend entfernt werden muss: „Aus unserer Sicht ist ein Beibehalten einer so belastenden Figur wie der Sarotti M* kein geeignetes Mittel, sich mit rassistischen Bildern und Vorstellungen auseinanderzusetzen“. Also weg damit. Und mit ihm auch gleich zahlreiche Bezeichnungen von Straßen, Cafés und Apotheken mit diesem Wort (4). Denn es gibt eben nicht nur den Sarotti-Mohren, sondern auch die Mohrenstraße, das Mohren-Bräu, das Hotel drei Mohren (in Augsburg) und zahllose Mohren-Apotheken. Und nicht zu vergessen die vielen Bürger mit dem Namen Mohr: von Alfred Mohr bis Zacharias Mohr – alleine im Frankfurter Telefonbuch finden sich 57 Einträge. Und dann kommt als Nächstes der Neger. Nicht der Negerkuss – den gibt es schon lange nicht mehr – sondern die vielen Personen mit diesem Namen. Als erstes der Dachdecker Thomas Neger aus Mainz, der sich schon beharrlich geweigert hatte, sein Logo zu ändern, das einen fleißig arbeitende POC auf einem Dach zeigt. Und natürlich dessen Großvater Ernst Neger, der zwar schon lange tot ist, aber in unzähligen Aufzeichnungen von Mainzer Karnevalssendungen des ZDF überlebt hat. Die dürfen zukünftig selbstverständlich nicht mehr gesendet werden.

Aber soweit sind wir noch nicht. Und auch der Mannheimer Sarotti-Mohr ist noch da. Aber immerhin nicht mehr sichtbar. Denn die Figur wurde jetzt mit Stoff verhüllt. Ein „Kunstwerk“, um auf das Thema „Alltagsrassismus“ aufmerksam zu machen. Das reicht aber Tahir Della nicht aus. Der sieht die Figur nach wie vor – und auch verhüllt – als rassistisch an (5). Dabei zeigt der Sarotti-Mohr – unverhüllt – nichts anderes als einen Mohren, also einen dunkelhäutigen Menschen. Und der wird nicht etwa mit negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht, im Gegenteil: er offeriert die Produkte des Unternehmens Sarotti, also Schokolade und Pralinen. Und deshalb war der Sarotti-Mohr als Werbefigur überaus beliebt. In den fünfziger und sechziger Jahren trat er fast täglich im Werbefernsehen auf und verteilte seine Gaben an die ganze Familie, die sich dann vielstimmig bedankte: „vielen Dank, singt man im Chor – vielen Dank Sarotti-Mohr“.

Aber offensichtlich ist auch die überaus positive Darstellung eines dunkelhäutigen Menschen aus Sicht der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland bereits rassistisch. Ein Dunkelhäutiger darf eben nicht als Dunkelhäutiger dargestellt werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) http://isdonline.de/

(2) https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-tag-mit-tahir-della-wie-stark-wirkt-die-kolonialzeit.2950.de.html?dram:article_id=467246

(3) http://justlisten.berlin-postkolonial.de/tahir-della

(4) https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.mannheim-umgestaltete-sarotti-mohr-werbung-wird-erstmals-gezeigt.ac10e16d-2e88-4b07-ba64-b9c9abaac07e.html

(5) https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Umstrittener-Sarotti-Mohr-in-Mannheim-wird-verhuellt/-/id=47428/did=5369638/mxboac/index.html

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