KEINE 1 UND 2 CENT MÜNZEN MEHR: Drohende Bargeldabschaffung oder längst überfälliger Schritt?

Guten Morgen liebe Hessen,

2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt. Es gab Scheine zwischen 5 und 500 Euro – eine der wenigen Währungen (vielleicht die einzige) ohne einen Tausender. Inzwischen gibt es den 500-er auch nicht mehr – ein erster Schritt zur vollständigen Abschaffung des Bargeldes. Jetzt sollen auch Münzen abgeschafft werden – genauer die Münzen zu 1 und 2 Cent. Manche sehen das kritisch und als nächsten Schritt in der Abschaffung des Bargeldes. Dabei ist es ein längst überfälliger Schritt.

Eigentlich hätte man bereits 2002 auf die Ausgabe dieser Münzen verzichten müssen. Denn die Probleme waren bereits bei den früheren 1- und 2-Pfennigmünzen erkennbar, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr als Zahlungsmittel nutzbar waren. Die Zeiten, als die Ein-Pfennig-Münze noch tatsächlich eine Funktion als Zahlungsmittel hatte, liegt mehr als 100 Jahre zurück. Während der Kaiserzeit gab es tatsächlich noch Waren, die einen oder zwei Pfennige kosteten. Im Jahr 1900 lag der durchschnittliche Monatslohn bei etwas über 60 Mark, ein Ei oder ein Brötchen kosteten nur wenige Pfennige. Doch das ist lange vorbei. Noch nach dem zweiten Weltkrieg gab es Dinge, für die man die roten Münzen ausgeben konnte – aber selbst die BILD-Zeitung kostete im Jahr ihrer Gründung 1952 bereits 10 Pfennige. Und die Inflation machte im Laufe der Jahre die kleinen Münzen völlig überflüssig. Sie wurden praktisch nur noch als Wechselgeld benötigt für die zahlreichen Waren, die 0,99 oder 1,99 Mark oder Euro kosteten.

Manche Firmen bauten die Pfennigmünzen als Unterlegscheiben in Maschinen ein, da sie billiger waren als konventionelle Unterlegscheiben.
Insofern sind kleine Münzen seit langem eigentlich überflüssig. Zum einen zahlen immer mehr Kunden mit Karte und benötigen ohnehin kein Bargeld. Zum anderen könnte man bei Barzahlung einfach alle Beträge automatisch an der Kasse auf- oder abrunden. So würde jeder nach dem Zufallsprinzip mal 2 Cent zu viel und am nächsten Tag 2 Cent zu wenig bezahlen – in der Summe würde sich das ausgleichen. Aber man hätte dann nicht ständig die Taschen voll mit Kleingeld. Und das macht auch Arbeit. Die meisten sammeln ihre kleinen Münzen und bringen sie einmal im Jahr zu Bank. Die nimmt manchmal Gebühren dafür, die teilweise höher sind als der abgelieferte Betrag. Umgekehrt gibt es Geschäftsleute – z.B. Marktbetreiber – die auf der Bank Kleingeld abholen, weil sie Wechselgeld benötigen – auch das gegen Gebühren. Und die Banken selbst transportieren die Münzen auch hin und her. Alles das kostet erhebliches Personal und verursacht weitere Kosten. Bereits die Prägung einer Münze kostet das Mehrfache ihres Nominalwertes. Grund genug, die roten Münzen endlich abzuschaffen.

Andere Länder haben das bereits längst getan. Zum Beispiel Australien. Da gibt es keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr. Die Kassen in den Geschäften runden automatisch auf oder ab, so dass sich die zu viel und zu wenig gezahlten Beträge ausgleichen. Die EU sollte das auch tun. Zumal das Sprichwort „wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nichts wert“ mit dem Ende der D-Mark ohnehin ausgestorben ist.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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