KEINE WICHTIGEREN PROBLEME ZUR ZEIT ? Stuttgart will Sensibilisierung für Gendersprache

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Baden-Württembergische Landeshauptstadt Stuttgart war vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil „Feiernde“ Polizeibeamte angegriffen hatten. Dieses Thema scheint für den grünen Stuttgarter Oberbürgermeisters inzwischen erledigt zu sein und auch die Corona-Pandemie mit ihren schwerwiegenden Auswirkungen – z.B. Arbeitsplätze bei Daimler-Benz – stehen nicht mehr im Zentrum der Aktivitäten des Oberbürgermeisters. Er hat ein wichtigeres Thema: die gendersensible Sprache in der Verwaltung. Und so hat der Oberbürgermeister einen neuen Leitfaden herausgegeben, mit der die „Verwaltung nun eine zeitgemäße Richtschnur hat, wie sie mit bestimmten Personen oder Personengruppen sensibel kommunizieren kann“. Der Leitfaden sei im Verwaltungsausschuss auf breite Zustimmung gestoßen (1).

Nach diesem neuen Leitfaden ist z.B. künftig der Genderstern zulässig neben den geschlechtsspezifischen wie „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ oder den geschlechtsneutralen Formulierungen wie „Mitarbeitende“. Die Damen und Herren sollen nicht mehr als „Sehr geehrte Damen und Herren“ angeredet werden, sondern als „Sehr geehrte Teilnehmende“ oder „Liebe Menschen“. Insgesamt soll die Sprache „sensibler“ werden (2).

Und dazu gehört, dass auch Rollen-Klischees und Stereotype vermieden werden sollen. Und so gibt es künftig keinen „Mutter-Kind-Parkplatz“ mehr, sondern nur noch einen „Familienparkplatz“. Das wird viele SUV-Fahrer freuen, die bislang Schwierigkeiten hatten, einen Parkplatz für ihr breites Fahrzeug zu finden. Denn „Mutter-Kind-Parkplätze“ sind üblicherweise breiter als normale Parkplätze, damit die Mutter Kind und Kinderwagen ungehindert ein- und ausladen kann. Und selbst der ignoranteste SUV-Fahrer hatte Hemmungen, sich auf einen solchen Parkplatz zu stellen. Wenn der aber zukünftig „Familienparkplatz“ heißt, wird er kein Problem haben, dort zu parken. Denn zu irgendeiner Familie gehört ja auch.

Der Leitfaden ist eine Reaktion auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Herbst 2017. Damals hatte das Gericht entschieden, dass standesamtliche Eintragungen nicht auf zwei Geschlechter beschränkt werden dürfen, sondern auch eine dritte Option – etwa divers – beinhalten müsse. Und daraus zog die Diversity-Beauftragte der Stadt die Schlussfolgerung, dass auch die Verwaltungssprache die Bürger nicht einfach mit „sehr geehrte Damen und Herren“ anreden dürfe, weil sich dann alle diejenigen ausgeschlossen und diskriminiert fühlen, die sich weder als Dame noch als Herr ansehen. Deshalb besser „liebe Menschen“ – da sind alle mitgemeint. Ausgenommen natürlich diejenigen, die sich selbst nicht als Mensch fühlen, sondern als Fisch oder Giraffe. Aber dafür gibt es dann die Anrede „liebe Anwesende“. Da sind dann wirklich alle gemeint. Außer natürlich den Abwesenden oder diejenigen, die sich als abwesend betrachten. Aber auch für die wird die Diversity-Beauftragte dann eine Lösung finden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/stuttgart-rathaus-sprache-gendersternchen-100.html
(2) https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streit-um-gender-sprache-stadt-stuttgart-als-vorreiter-in.c2e8cee0-057c-46ce-a508-ad32fe76a39a.html

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