Kirchenobere sind besorgt und empört: Immer mehr Menschen treten aus Kirche aus

Guten Morgen liebe Hessen,

Jedes Jahr verlieren die beiden großen Kirchen mehr Mitglieder. Die Kirchenoberen sehen das mit wachsender Besorgnis. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beklagt diese Entwicklung: „Die Menschen entscheiden heute aus Freiheit, welchen Gemeinschaften sie angehören wollen“. Die Folge sei, dass Mitglieder aus der Kirche austreten. Wahrscheinlich wäre es ihm lieber, wenn die Menschen nicht einfach so aus der Kirche austreten könnten. Vielleicht schwebt ihm eine gesetzliche Regelung nach der Devise „einmal evangelisch – immer evangelisch“ oder „Der Austritt aus der Kirche ist zu Lebzeiten ausgeschlossen“ vor. Schließlich kann auch niemand aus der Gemeinschaft der Einkommensteuerzahler austreten. Da bezahlt man auch, solange man lebt.

Aber natürlich gibt es für Kirchenmitglieder genügend Gründe, auszutreten. Da gibt es zum einen die beispiellose Heuchelei der beiden Kirchenoberen Bedford-Strohm und Marx, die zahllosen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und deren systematische Vertuschung und dubiose Finanzgeschäfte der Kirchen. Die Kirchenaustritte sind ein klares Zeichen dafür, dass die Kluft zwischen Anspruch und Realität einfach zu groß geworden ist. Die Kirche hat über Jahrzehnte jede Glaubwürdigkeit verloren. Kirchenobere residieren in Villen und Palästen, kassieren monatlich mehr als 10.000 Euro (vom Staat!) und fordern die Gläubigen mit Durchschnittsgehalt oder schmaler Rente auf, den Gürtel für sogenannte Schutzsuchende enger zu schnallen.

Die Kirche verurteilt jede Ausgrenzung, will angeblich offen für alle sein – auch für Sünder – grenzt aber selbst all jene aus, die gegen eine unbegrenzte Zuwanderung sind oder gar AfD wählen. Der Berliner Erzbischof sagte nach der Bundestagswahl 2017: „Das Wahlergebnis in Ostdeutschland zeigt, dass die religiöse Heimatlosigkeit der meisten Menschen oft ihre kulturelle Obdachlosigkeit verstärkt“. Viele Menschen wären dankbar, wenn sie die religiöse Heimat der katholischen Kirche nicht gehabt hätten, z.B. die mehr als 3.000 Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmänner. Die würden sicher lieber die religiöse Heimatlosigkeit wählen.

Was die Kirchenoberen aber an der Austrittswelle wohl primär stört, ist der Wegfall der Kirchensteuer. Eine bequeme und sichere Einkommensquelle, die pro Jahr 12 Mrd. Euro einbringt. Bequem und sicher für die Kirche, weil der Staat die Steuern eintreibt – mit allen Zwangsmitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Und die Kirchensteuer muss jeder zahlen, der Mitglied der Kirche ist – egal ob gläubig oder nicht. Eigentlich ein perfektes System: Mitglied wird man ohne eigenes Zutun (d.h. durch Taufe), austreten kann man aber nur aktiv, wobei einige bürokratische Hürden zu nehmen sind. Und die meisten sind einfach zu bequem, diesen Schritt zu tun. Bleibt zu hoffen, dass es mehr werden – oder der Gesetzgeber endlich die Kirchensteuer komplett abschafft.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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