Kölle alaaf – auch nach Aschermittwoch

Guten Morgen liebe Hessen,

Köln ist bekannt für seinen Karneval, sein Domplatten-Silvester, seine Buntheit und Vielfalt. Und um diese Vielfalt jetzt auch in der amtlichen Kommunikation deutlich werden zu lassen, hat die Oberbürgermeisterin Henriette Reker („Armlängen-Reker“) kürzlich einen „Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation der Stadt Köln“ herausgegeben – ein Jahrhundertwerk, das Maßstäbe setzt. Im Vorwort heiß es: „ALLE sollen sich in ihrer Vielfalt wahrgenommen und angesprochen fühlen“. Und da gibt es zahllose Tipps, wie man sprachlich für alle denkbaren Situationen gut vorbereitet ist. Denn die Kommunikation soll frei von unbewussten Voreingenommenheiten und Zuschreibungen sein (1). So soll man zukünftig statt „jeder“ künftig „alle“ sagen, da mit „jeder“ nur Männer direkt angesprochen werden. Aus Fußgängern (und auch Fußgängerinnen) sollen in Köln grundsätzlich Zufußgehende werden (1). Aber vorerst soll es noch keine „Zufußgehendenzonen“ und „Zufußgehendenampeln“ geben, genauso wenig wie Ände-rungen im Bereich von „Bürgertelefon“, „Bürgerservice“, „Bürgerbefragung“ und „Einwohnermeldeamt“ geplant sind. Und auch bei negativ konnotierten Begriffen bleibt man bei der bisherigen männlichen Formulierung, so dass es weiterhin nur Schwarzfahrer, Ladendiebe, Hütchenspieler, Trickbetrüger,

Schlepperbanden und Hintermänner gibt. Und natürlich den Enkeltrick – obwohl der inzwischen meist von Enkelinnen verübt wird. In jedem Fall sollen aber „Rollenklischees und Stereotypen“ vermieden werden – wie etwa „Mutter-Kind-Parkplatz“ sowie Sprachbilder „Not am Mann“ oder „Milchmädchenrechnung“ (1). Damit sind dann auch Redewendungen tabu wie „Übung macht den Meister“, „der Klügere gibt nach“ oder „den Bock zum Gärtner machen“ – genauso wie den „Sündenbock“, „Erbsenzähler“ und „Besserwisser“. Dafür gibt es dann auch keine tropfenden Wasserhähne mehr. Aber nicht nur Geschlechter können diskriminiert werden, sondern auch Behinderte. Deshalb rät der Leitfaden, auf Formulierungen wie „Rufen Sie uns an“ oder „Gehen Sie bitte zum Ausgang“ zu verzichten. Denn dadurch könnten Gehörlose und Rollstuhlfahrer verletzt werden. Stattdessen soll es zukünftig „Treten Sie an uns heran“ heißen (1). Diese Formulierung diskriminiert zwar Gehörlose nicht – dafür aber möglicherweise hörende Rollstuhlfahrer. Tabu sind aber auch alle Formulierungen, die Sehbehinderte und Blinde verletzen könnten, wie etwa „Fahren auf Sicht“, „wir blicken mit Zuversicht ins nächste Jahr“, „sehenden Auges“, „Sichtschutz“ und „abgesehen davon“.

Auch die Erwähnung von Farben könnte von Sehbehinderten negativ aufgenommen werden – wie etwa „alte weiße Männer“, „gelbe Engel“, „rot-grüne Koalition“, „Blaumann“ oder „Schwarzfahrer“. Dabei ist der Begriff „schwarz“ ohnehin verboten – er könnte Menschen mit dunkler Hautbarbe verletzen. Und dann gibt der Leitfaden noch Tipps für die Formulierung von Stellenausschreibungen. Die sollen so verfasst werden, dass alle angesprochen und keine Personengruppen unbewusst ausgeschlossen werden. Denn wer Stellenausschreibungen erstellt, hat oft „unbewusst eine genaue Vorstellung von einer geeigneten Person“. Das führt „häufig zu positiven oder negativen Zuschreibungen und zur unbewussten Bevorzugung oder Benachteiligung anderer Menschen“ (1). So wird man in Köln vielleicht demnächst Stellenangebote für Busfahrer finden, in denen gezielt Sehbehinderte, Alkoholkranke oder Kleinwüchsige angesprochen werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf16/leitfaden_wertsch%C3%A4tzende_kommunikation_bei_der_stadt_k%C3%B6ln_barrierefrei.pdf

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