Kühlaggregat, offene Fenster & voll aufgedrehte Heizung – so geht Klimarettung im Frankfurter MKK

Guten Morgen liebe Hessen,

vergangenen Mittwoch klingelte das Telefon im Büro: „Herr Rahn, sie müssen sich das ansehen!“. Es ging um eine Ausstellung im „Museum für Moderne Kunst“ (MMK) im ehemaligen Hauptzollamt in der Frankfurter Innenstadt.

Die Exponate im MMK konnten mich bislang nicht wirklich begeistern: Autoreifen an einem Seil hängend kann man im Prinzip an vielen deutschen Spielplätzen als Schaukeln finden oder auch das Oberteil eines Einkaufswagen mit mehreren Bierdosen, einer Panzerkette und weiterem Unrat auf dem Boden verstreut, sieht man auch im Umfeld des Frankfurter Hauptbahnhofs und würden mir nie den Eintritt zum Museum entlocken. Um Müll zu sehen, müsste ich nicht einmal mein Haus verlassen – ein Blick in den eigenen Keller würde genügen.

Die Ausstellung „Pectus Excavatum“ der jungen Künstlerin Bunny Rogers weckte aber bereits durch den Anruf mein Interesse. Da das Museum nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt ist, haben wir die Ausstellung spontan besucht. Um es vorweg zu nehmen: es hat sich gelohnt.

Der Ausstellungsraum ist dunkel, die Scheiben sind mit Schwarzfolie abgeklebt. Mitten im Raum liegt ein Riesenkalmar aus Plastik. Um Ihn herum hat man Wasserpfützen inszeniert. Direkt dahinter zieht ein großer Eisberg die Blicke auf sich. Es ist ein echter Eisberg. Den kann man auch anfassen, um – wie es die Künstlerin formuliert – ein Gefühl davon bekommt „wie es ist, zu frieren, oder sogar zu erfrieren. Dass es Kalt und Warm gibt, gehört zu den ersten Erlebnissen im Leben eines Kleinkindes. Und auch als Erwachsener kann man das Gefühl des Frierens erzeugen – man muss nur im Winter in leichter Bekleidung vor die Türe gehen [1, 2].

Im Ausstellungsraum aber ist es nicht kalt – trotz des riesigen Eisberges. Im Gegenteil: es ist mollig warm, weil die Heizungen voll aufgedreht sind und fast glühen – trotz einer Außentemperatur von 23 Grad ! Und so fragt man sich als unbefangener Besucher des „Kunstwerkes“: was haben sich die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt (nach eigenem Bekunden Welthauptstadt der Klimarettung) dabei gedacht, mit immensem Energieaufwand über viele Monate einen riesigen Eisberg in Form zu halten und gleichzeitig den Raum, in dem sich dieser befindet, aufzuheizen. Aber die verantwortliche Kulturdezernentin (SPD) ist ja nicht für Klima und Umwelt zuständig, sondern für Kunst.

Und Aufgabe der Kunst ist es nicht, Energieeinsparung zu propagieren, sondern eine Botschaft zu vermitteln. Und diese ist hier leicht zu erkennen: es gibt bei den Altparteien keinen Irrsinn, der nicht noch übertroffen werden könnte.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

[1] https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/kuenstlerin-bunny-rogers-erschaftt-ein-produkt-der-imagination-16008834.html

[2] Gespräch Bunny Rogers/Susanne Pfeffer, Begleitbroschüre in Auslage am Museum

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