Kulturelle Eigenheiten: In weniger als fünf Monaten 266 eskalierende Hochzeitskorsos – alleine in NRW

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat kürzlich eine Zwischenbilanz zu den kulturell bereichernden türkischen Hochzeitskorsos erstellt. Bilanz: in weniger als fünf Monaten 266 eskalierenden Hochzeitskorsos – alleine in NRW.

Hochzeitskorsos mit hupenden Autos sind nichts Ungewöhnliches. Soweit sich die Fahrer – abgesehen vom Hupen – an die Straßenverkehrsordnung halten, auch akzeptabel. Aber bestimmte ethische Gruppen halten sich nicht daran. Im Gegenteil: Schüsse aus – teilweise illegalen – Waffen und Autobahnblockaden gehören dazu. Dabei kommt es häufiger zu gefährlichen und teilweise lebensbedrohlichen Situationen. Für die Feierenden kein Problem. Auf ihr Fehlverhalten angesprochen, sind sie sich häufig keiner Schuld bewusst.

Und natürlich gibt es immer wieder Versuche, die fremden Bräuche kultursensibel zu erklären. „In der türkischen Festkultur werden wichtige familiäre Anlässe traditionell größer gefeiert als in Deutschland“, erläutert Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien in Essen. Auch Hochzeitskorsos haben in der Türkei eine lange Tradition. Das Blockieren von Autobahnen gehört nicht dazu: „da geht es darum, dass junge Männer ihre Grenzen austesten möchten“ (1). Genauer: nicht die eigenen Grenzen werden ausgetestet, sondern die der Gastgeber. Welches Fehlverhalten toleriert das Gastland, ohne einzugreifen. Und da geht die Toleranz sehr weit.

Die Statistik in NRW zeigt, dass bei den 266 registrierten Vorfällen „mehr als hundert Anzeigen geschrieben“ und in 816 Fällen die Beamten die Personalien von Hochzeitsgästen feststellte (2). Das bedeutet zunächst, dass in mehr als der Hälfte der Fälle nicht einmal eine Ordnungswidrigkeitsanzeige – geschweige denn eine Strafanzeige – erfolgte. Dabei stellt eine Blockade von Straßen – und insbesondere einer Autobahn – einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr dar und kann nach § 315 b StGB mit bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.
In den Medien wurde bislang kaum etwas über angemessene Strafen im Zusammenhang mit Hochzeitskorsos bekannt. Meist wird über Verwarnungen und – in wenigen Einzelfällen – über einen vierwöchigen Führerscheinentzug berichtet. Angemessen wäre jedoch bei konkreten Gefährdungsdelikten in jedem Fall eine Haftstrafe ohne Bewährung, langjähriger Führerscheinentzug und – soweit möglich – eine Ausweisung angemessen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Immer-wieder-Chaos-bei-tuerkischen-Hochzeitskorsos-Experten-erklaeren-was-dahinter-steckt
(2) https://www.express.de/duesseldorf/schuesse-und-blockaden-polizei-analysiert-nrw-hochzeitskorsos-und-hat-klaren-verdacht-33048722

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