KULTURSENSIBLER FASCHING. Kita mit Verkleidungsverbot

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Fasching steht vor der Tür und viele freuen sich auf die närrischen Tage. Vor allem Kinder. Denn während dieser Zeit kann man sich kostümieren und eine fremde Identität annehmen. Besonders beliebt sind seit jeher: Cowboy und Indianer, Astronaut, Prinzessin oder Pirat. Die Tradition des Verkleidens stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente ursprünglich dazu, die bösen Geister des Winters zu vertreiben und dafür die guten Geister des Frühlings anzulocken. Teilweise dient die Maskerade aber auch dazu, sich über die Obrigkeit lustig zu machen, ohne das Risiko einer Bestrafung einzugehen. Für viele ist es aber auch eine Gelegenheit, einfach mal eine fremde Identität anzunehmen und etwas darzustellen, was im „wirklichen“ Leben unerreichbar ist. Also eigentlich eine harmlose Tradition, die sich über Jahrhunderte erhalten und an der bislang niemand Anstoß genommen hat.

Bisher jedenfalls. Doch das scheint sich zunehmend zu ändern. So hat kürzlich eine Kita in Erfurt ein Verkleidungsverbot für Kinder erlassen. Die Kinder dürfen am Rosenmontag nicht verkleidet erscheinen. Begründung der Kita-Leitung: „Fasching findet in der Einrichtung am Rosenmontag nicht statt, weil wir im Rahmen eines kultursensiblen Umgangs die Feierlichkeiten nicht maximal ausreizen wollen“. Und man will die Kinder „sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, zum Teil sogar entwürdigend sein könnten“ (1).

Kein Einzelfall. Auch im Hamburg hat eine Kita verschiedene Kostüme verboten. Die Kita-Leitung der Elbkinder-Kita im Stadtteil Ottensen informierte die Eltern in einem Rundschreiben, in dem gebeten wurde, „bei der Auswahl des Kostüms darauf zu achten, dass durch selbiges keine Stereotype bedient werden“. Beispielhaft wurden „Indianer“, „Scheich“ oder ähnliches genannt. Die Kita-Leitung verwies auf einen Artikel in der Broschüre „Kids aktuell“, die von der Berliner „Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung“ herausgegeben wird. Dort wird ausgeführt, dass es „die sogenannten Indianer nicht gibt. Der Begriff wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe“. Als besonders problematisch werden Kostüme angesehen, die einen Einfluss auf die Entwicklung der Geschlechterrollen der Kinder haben könnten – z.B. Astronauten oder Meerjungfrauen. Denn die bedienen die üblichen Geschlechterklischees (2).

Was die Kita-Leitung also offensichtlich stört, ist die Einteilung von Menschen in verschiedene Kategorien und die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften zu verschiedenen Gruppen. Oder einfacher: die Beschreibung der Realität. Zum Beispiel gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer sind im Durchschnitt grösser und schwerer und haben mehr Muskelmasse. Folge: sie haben alleine deshalb andere körperliche Eigenschaften. Das ist auch der Grund, warum bei fast allen Sportarten Männer und Frauen nicht gegeneinander antreten. Aber in der Kita darf das offensichtlich nicht thematisiert werden. Genauso wenig wie die Darstellung von Eigenschaften, die typischerweise mit Indianern assoziiert werden: Mut, Kampfgeist und die Fähigkeit, auch in aussichtslos erscheinenden Situationen einen Ausweg zu finden. Eigentlich positive Eigenschaften, die aber nicht dargestellt werden dürfen. Ebenso wenig wie die dunkle Hautfarbe von Afrikanern. Jeder weiß, dass ein Dunkelhäutiger eine dunkle Hautfarbe hat. Aber dargestellt werden darf das nicht – weil es rassistisch ist und die Betroffenen beleidigen könnte.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.merkur.de/politik/erfurt-kita-fasching-kindertagesstaette-verbot-kostueme-verkleidung-thueringen-rosenmontag-empoerung-zr-13499899.html
(2) https://www.bild.de/regional/hamburg/news/um-niemanden-zu-diskriminieren-erste-kita-verbietet-indianer-kostueme-60498194.bild.html

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