Landtagswahl im Saarland: CDU scheitert mit Spitzenkandidat ohne Abschluss

Guten Morgen liebe Hessen,

Das Saarland ist ein eher unbedeutendes Land am Rande der Republik, hat aber bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag deutlich gezeigt, wie es in Deutschland weitergehen könnte. Das Wahlergebnis ist zunächst insoweit interessant, als sich eine Rückkehr zu dem seit vielen Jahren nicht mehr aufgetretenen Drei-Parteien-System abzeichnet: nur noch SPD und CDU sind im Parlament vertreten, dazu eine kleine Partei – in diesem Fall aber nicht die FDP, sondern die AfD. FDP, LINKE und Grüne sind überhaupt nicht mehr im Landtag vertreten. Gerade für die Grünen dürfte dies ein schwerer Schlag sein, weil sie sich seit längerer Zeit im Aufwind befinden, vielfach über 20 Prozent liegen und in einigen Parlamenten bereits die größte Fraktion stellen.

Der SPD ist an der Saar gelungen, was es in einem deutschen Parlament nur selten gibt: eine absolute Mehrheit zu erringen, die es ihr erlaubt, alleine zu regieren. Das liegt sicher auch an der Spitzenkandidatin, die offensichtlich viele Wähler überzeugen konnte. Immerhin besitzt sie eine abgeschlossene Berufsausbildung als Juristin und ist als Rechtsanwältin zugelassen. Das ist bei der SPD (und bei den Grünen ohnehin) heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Genossen machen heute über die Schiene Gewerkschaftssekretär oder Referent eines Abgeordneten Karriere. Studium oder Berufsausbildung sind da eher hinderlich und kosten Zeit.

Dagegen war bei der CDU über Jahrzehnte eine Politiker-Karriere nur mit abgeschlossener Berufsausbildung – meist einem Studium – möglich. Aber diese Zeiten sind offensichtlich auch vorbei. Denn der aktuelle Ministerpräsident des Saarlandes und CDU-Spitzenkandidat – Tobias Theodor Hans – besitzt eine solche abgeschlossene Berufsausbildung nicht. Er hat zwar nach dem Abitur am Homburger Christian von Mannlich-Gymnasium (1997) und dem anschließenden Zivildienst an der Psychosomatischen Fachklinik Neunkirchen-Münchwies ab 1998 Wirtschaftsinformatik, Informationswissenschaft und Anglistik an der Universität des Saarlandes studiert, dieses Studium aber nach 18 Semestern abgebrochen, d.h. ohne Studienabschluss beendet. Neben seinem Studium war er zunächst „studentischer wissenschaftlicher Mitarbeiter“ an der Psychosomatischen Fachklinik Münchwies, danach „wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Landtagsfraktion“, deren Vorsitzender sein Vater gewesen war. 2007 wurde er Referent im saarländischen Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales. Früher konnte man wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Referent nur mit abgeschlossenem Studium werden – heute ist das nicht mehr so.

Denn wenn schon die Politiker selbst frei von jeder Fachkunde sind, müssten wenigstens die Referenten und Mitarbeiter die Sachkenntnis mitbringen. Die Folgen dieses Niedergangs der Bildung sind heute bereits auf allen Ebenen zu spüren. Die meisten politischen Entscheidungen werden heute frei von jeder Logik und Sachkompetenz getroffen. Was zählt, sind Gesinnung und Ideologie. Und natürlich die Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit. Und da genügt es schon, Trans zu sein (oder es zumindest zu behaupten), um in höchste politische Positionen zu gelangen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

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