langjähriger Feldmann-Freund führt falschen Titel – Gericht verurteilt in zu 100 Tagessätzen

Guten
Morgen liebe Hessen,

Jürgen
Richter ist ein enger und langjähriger Freund des Frankfurter
Oberbürgermeisters Feldmann. Auch wenn sie sich äußerlich unterscheiden wie
Dick und Doof, haben sie doch vieles gemeinsam. Beide sind seit vielen Jahren
in der AWO aktiv. Aktiv bedeutet dabei nicht nur, dass sie dort tätig waren
(oder zumindest dafür bezahlt wurden), sondern auch, dass sie direkt oder
indirekt an unlauteren Machenschaften beteiligt waren. Deshalb führt die
Staatsanwaltschaft auch mehr oder weniger umfangreiche Verfahren gegen die
beiden. Und selbstverständlich behaupten beide unisono, unschuldig zu sein und
weisen die – teilweise sehr umfangreichen – Vorwürfe von sich. Beide haben auch
einen ausgesprochenen Geltungsdrang. Bei Feldmann äußert der sich darin, dass
er die – eigentlich nur besonderen Anlässen vorbehaltene – Amtskette fast
ständig trägt und auch für nebensächliche Ereignisse anlegt. Jürgen Richter hat
als AWO-Geschäftsführer keine Amtskette und muss sich daher mit einem
Doktor-Titel behelfen. Das macht zwar deutlich weniger her als die goldene
Amtskette des Oberbürgermeisters, ist aber allemal besser als gar nichts. Und
so firmierte Richter viele Jahre lang als „Dr. Richter“.

Das
hatte bislang niemanden gestört, aber offensichtlich hatte irgendjemand
Nachforschungen angestellt und sich für das Thema seiner Arbeit interessiert.
Und da er wohl nicht fündig wurde, kam es zu einem Ermittlungsverfahren wegen
Titelmissbrauchs. Die Staatsanwaltschaft kam nach langer Ermittlung zu dem
Ergebnis, dass Richter unbefugt einen Doktortitel in Personalausweis,
Reisepass, Verträgen und anderweitig verwendet habe. Das Ergebnis war ein
Strafbefehl gegen Richter über 120 Tagessätze à 80 Euro erhalten, gegen den er
jedoch Einspruch eingelegt hatte (1). Daraufhin kam es nun zu einer Verhandlung
vor dem Amtsgericht Frankfurt, zu der Richter persönlich in Begleitung seines
Anwalts erschien. Dort antwortete er auf die Frage nach seinem Namen: „Doktor
Jürgen Richter“ – offensichtlich immer noch überzeugt davon, dass er diesen zu
Recht führt. Da scheint er jedoch der einzige zu sein. Denn die Ermittler der
Staatsanwaltschaft konnten nicht herausfinden, an welcher Universität Richter
promoviert haben soll. Bei keiner Behörde waren Unterlagen über die Promotion
zu finden. Was die Ermittler jedoch fanden, waren Hinweise darauf, dass Richter
versucht haben könnte, eine entsprechende Promotionsurkunde zu fälschen. Denn
auf seinem Rechner fand man eine gefälschte Urkunde der Goethe-Universität für
eine Arbeit über „Sozialarbeit in Alten- und Pflegeheimen“, die jedoch die
Unterschrift eines unzuständigen Dekans trug. Nach Angaben Richters handelte es
sich dabei um einen Scherz, den ihm jemand gespielt habe (1). Darüber hinaus machte
Richter auf Anraten seines Anwalts vor Gericht keine Angaben. Seine Begründung:
konkrete Angaben zur Arbeit würden Plagiatsjäger auf den Plan rufen (2). Sein
Anwalt gab zu Protokoll, Richter habe 1992 an einer amerikanischen Universität
promoviert, deren Namen er jedoch nicht nannte (2). Dass es zu seiner
Doktorarbeit keinerlei Unterlagen gebe, sei nicht seinem Mandanten anzulasten (1).

Das
überzeugte das Gericht nicht. Richter wurde zu 100 Tagessätzen à 80 Euro
verurteilt. Das dürfte jedoch sein geringstes Problem sein, denn auf ihn warten
mehrere Strafverfahren, bei denen er sicher nicht mehr mit einer Geldstrafe
davonkommen wird, sondern eine Haftstrafe, die nicht mehr zur Bewährung
ausgesetzt werden kann.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(2) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/469176/36

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/474011/36-37

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