Leichte Sprache – schwere Sprache

Guten Morgen liebe Hessen,

Leichte Sprache ist eine speziell geregelte sprachliche Ausdrucksweise, die auf besonders leichte Verständlichkeit abzielt. Die Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Leichte Sprache soll die selbstständige Informationssuche und damit Selbstbestimmung von erwachsenen Menschen verbessern, die aus unterschiedlichen Gründen, vorübergehend oder dauerhaft, Probleme mit einem komplexen Satzbau haben und Fremdwörter nicht verstehen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im April 2014 einen Ratgeber „Leichte Sprache“ herausgebracht, der die einzelnen Regeln und Anwendungsmöglichkeiten nennt. Zu den Sprachregeln gehören u.a. die Verwendung kurzer Sätze, die jeweils nur eine einzige Aussage enthalten, Vermeidung der Passivform, des Genitivs und des Konjunktivs sowie von Sonderzeichen.

Amtliche Mitteilungen sollen zur Barrierefreiheit ergänzend die Leichte Sprache verwenden. Das Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) regelt in § 11, dass Träger öffentlicher Gewalt „Informationen vermehrt in Leichter Sprache bereitstellen“ sollen.

Die Regeln der Leichten Sprache stehen jedoch im Widerspruch zu der von allen Regierungen geforderten „geschlechtergerechten“ Sprache. Diese hat das Ziel, Personen aller möglichen Geschlechter direkt und diskriminierungsfrei anzusprechen. Bis vor kurzem war das noch vergleichsweise einfach. Da hieß es „sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, „liebe Frankfurterinnen und Frankfurter“ oder „an alle Schülerinnen und Schüler“. Oder kürzer „sehr geehrte Mitarbeiter/Innen“, „liebe Frankfurter/Innen“ oder „an alle Schüler/Innen“. Nachdem das Bundesverfassungsgericht aber festgestellt hat, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt, reicht das nicht mehr aus. Zukünftig muss es also heißen:

„Liebe Mitarbeiter*innen; liebe Mitarbeiter:innen; liebe Mitarbeiter_innen“. Dabei sind Genderstar, Doppelpunkt und Unterstrich (= Gender_gap) die „aktuell modernsten Formen geschlechtergerechter Sprache“, denn sie verweisen symbolisch – als in alle Richtung strahlender Stern oder als Freiraum zwischen den Polen männlich und weiblich – auf die Vielfalt diverser Geschlechtsidentitäten. Auch intergeschlechtliche, trans* und queere Personen sollen sich hiervon angesprochen und repräsentiert fühlen (1).

Für die meisten Regierungen und Ämter aber kein Widerspruch. Dort liest man auch in den Hinweisen in Leichter Sprache Formulierungen wie „Arzt oder Ärztin“, „Ministerinnen und Minister“ oder „Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner“. Auf der Internetpräsenz der Stadt Frankfurt liest man unter dem Kapitel „Stadtverwaltung“ in Leichter Sprache: „In den Ämtern und Betrieben arbeiten insgesamt etwa 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Frankfurt und die Besucherinnen und Besucher unterstützen“ (2). Das versteht jeder sofort.

Diesen Beitrag gibt es natürlich auch in Leichter Sprache:
Früher sagte man: Lehrer, Schüler, Wähler, Bürger.Dann sagte die Regierung: das ist nicht richtig.Weil die Frauen nicht erwähnt werden.Es muss heißen: Lehrer und Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen, Wähler und Wählerinnen, Bürger und Bürgerinnen.Oder: Lehrer/innen, Schüler/innen, Wähler/innen, Bürger/innen.Das nennt man gendern.Dafür gründeten sie Institute, wo viele Professoren arbeiten.Das kostet viel Geld.Dann merkte die Regierung: gendern kann man nur schwer lesen.Vor allem Menschen mit Leseschwäche.Deshalb sagte sie: es muss wieder heißen wie früher.Also: Lehrer, Schüler, Wähler, Bürger.
Das nennt man Leichte Sprache.


Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/frauenreferat/aktuelles/gendergerechte-sprache
(2) http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2738&_ffmpar[_id_inhalt]=30460843

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