Mathematik = rassistisch |Richtige Ergebnisse sollen nur dazu dienen, die „weiße Überlegenheit“ zu festigen

Guten Morgen liebe Hessen,

Mathematik ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln und gilt für die meisten bereits in der Schule als unbeliebtes Fach. Auch nach Abschluss der Schullaufbahn haben die meisten ein gestörtes Verhältnis zur Mathematik. Dabei ist diese logisch und lässt fast immer nur eindeutige Lösungen zu. Während Fragestellungen in anderen Disziplinen – etwa Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften – kontrovers beurteilt und beantwortet werden könne, ist dies in der Mathematik nicht der Fall. Da ist 2 plus 2 immer 4 oder 3 mal 3 immer neun – egal wer das gerade berechnet. Das macht für Mathematiklehrer die Beurteilung der Leistungen ihrer Schüler leicht. Entweder die Aufgabe ist richtig gelöst oder nicht. Und je nach Anzahl der richtig gelösten Aufgaben gibt es dann eine bestimmte vorgegebene Benotung. Da hat es der Deutschlehrer schon schwieriger. Die Interpretation eines Textes ist meist nicht richtig oder falsch, sondern gut oder weniger gut und die Beurteilung fällt dann mehr oder weniger subjektiv aus. Und der Lehrer hat die Möglichkeit, einen schwächeren Schüler besser zu bewerten als er es eigentlich verdient. Das ist in der Mathematik kaum möglich. Wenn die Rechenaufgaben falsch gelöst sind, gibt es keinen Ermessensspielraum – dann ist eine schlechte Note fällig. Diese objektive Beurteilbarkeit einer Leistung gefällt jedoch nicht allen. Denn die Ursache einer schlechten Benotung kann dann nicht in der Willkür oder Subjektivität des Lehrers gesucht werden, sondern liegt eindeutig in der mangelnden Leistung des Schülers. Das ist im Einzelfall unproblematisch, wird aber dann schwierig, wenn sich herausstellt, dass schlechte Leistungen mit anderen Merkmalen korrelieren.

Besonders problematisch ist dies, wenn sich diese Merkmale auf eine Ethnie beziehen, wenn also – wie in den USA – eine Leistungslücke zwischen afroamerikanischen bzw. hispanischstämmigen Schülern einerseits und weißen Jugendlichen andererseits besteht (1). In diesem Fall darf die Ursache selbstverständlich nicht in einer unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Schülergruppen liegen, sondern in der Mathematik selbst. Und dort gilt es anzusetzen, um die Leistungsunterschiede zu beseitigen. Das macht derzeit der US-Bundesstaat Oregon. Der hat für Lehrer einen Leitfaden herausgegeben, der aufzeigt, dass die vermeintlich objektive Mathematik tatsächlich rassistisch ist und die angeblich richtigen Ergebnisse nur dazu dienen, die „weiße Überlegenheit“ zu festigen. Lehrer sollen daher durch „kontinuierliche Selbstreflexion“ eine „antirassistische Mathematikpraxis“ entwickeln. Dazu sollen sie sich von angeblich überkommenen Vorstellungen verabschieden, wonach es „neutrale Antworten“ gebe. Denn diese Vorstellungen seien „ein Charakterzug weißer Überlegenheit“. Profitieren sollen von den neuen Richtlinien schwarze, lateinamerikanische und mehrsprachige Schüler. Um diese zukünftig nicht zu benachteiligen, sollen mindestens zwei Antworten als richtig gelten – auch wenn bisher nur eine einzige als zutreffend angesehen wurde (2). Auch die Erläuterung des Rechenweges durch Schüler sei ein Zeichen der Infiltration mit der „White Supremacy Culture“ (1). Dabei sollen die Lehrer auch die gesamtgesellschaftliche Dimension ihres Fachs berücksichtigen und erläutern, „wie Mathematik verwendet wird, um kapitalistische, imperialistische und rassistische Ansichten“ aufrecht zu erhalten (2).

Und so könnte der eine oder andere Lehrer zukünftig in Oregon bei einem dunkelhäutigen Schüler bei der Rechenaufgabe 3 + 3 auch 5 – oder eine andere beliebige Zahl – als zutreffende Antwort werten, um sich nicht dem Vorwurf des Rassismus auszusetzen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466523/7

(2) https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2021/leitfaden-us-lehrer-sollen-rassismus-in-der-mathematik-bekaempfen/

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