MIGRATIONSZIEL STATT URLAUBSINSEL: Zunehmend afrikanische Flüchtlinge auf den kanarischen Inseln

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit einiger Zeit sind die kanarischen Inseln zunehmend das Ziel von Migranten aus Afrika. Da die Mittelmeerroute immer riskanter wird, versuchen mehr und mehr Migranten die Flucht über den Atlantik – und landen auf den Kanarischen Inseln. Die sind zunehmend überlastet (1). Alleine in diesem Jahr kamen mehr als 16.000 Flüchtlinge auf den Inseln an. Die Migranten starten in offenen Holzbooten in Senegal, Marokko, Gambia oder Mauretanien, teilweise sogar im 2.400 Kilometer entfernten Guinea (2). Etwa 2.000 Migranten sind derzeit in Hotels auf den Inseln untergebracht. Mehr als 800 Personen leben im provisorischen Erstaufnahmelager im Hafen von Arguineguin aus – ausgelegt ist es für 400 (1).

Kaum einer der Migranten möchte jedoch auf den Kanaren bleiben, die meisten wollen sofort weiter auf den Kontinent – am liebsten nach Spanien, Frankreich oder Deutschland. Bislang wurde nur ein kleiner Teil der Migranten aufs spanische Festland gebracht. Die spanische Regierung plant, die meisten Migranten in ihre Heimatländer zurückzuschicken, um nicht noch mehr Migranten anzuziehen. Vertreter von Hilfsorganisationen sehen das anders. Sie warnen davor, die Migranten in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Denn „es besteht eine enge Verbindung zur Pandemie. Es sind immer mehr Menschen darunter, die wirtschaftlich von Covid-19 betroffen sind“. Unter den Migranten sind viele Senegalesen und Marokkaner, die in ihrem Land Reiseführer, Taxifahrer oder Straßenverkäufer waren und die nunmehr aufgrund der ausbleibenden Touristen ohne Beschäftigung sind. So hat alleine in Senegal mehr als ein Drittel der Beschäftigten durch Covid-19 ihre Beschäftigung verloren. Kaum einer von ihnen hat jedoch eine Arbeitslosenversicherung (3). Beispielhaft ist der 18-jährige Senegalese Daouda, der seit 4 Monaten auf Gran Canaria lebt. Auf seinem Smartphone hat er die gefährliche Überfahrt auf einem Boot aufgenommen. Er beklagt sich, dass es hier „keine Arbeit, keine Schule“ gibt und er hofft, bald „die Papiere für die Weiterreise aufs europäische Festland zu bekommen“ (2).

Dass nicht nur Afrika von der Pandemie betroffen ist, scheint den Hilfsorganisationen nicht bewusst zu sein. Die Wirtschaft Europas ist genauso betroffen mit der Folge, dass auch hier Millionen ihre Jobs verlieren werden. Und ganz sicher werden in Deutschland keine zusätzlichen Reiseführer, Taxifahrer oder Straßenverkäufer benötigt – selbst dann nicht, wenn sie deutsch sprechen und in Berlin, Frankfurt oder München Ortskenntnisse besitzen.

Und so sieht sich der Regionalpräsident der Kanaren sich von der EU im Stich gelassen und fordert eine „solidarische Antwort“ (2). Wie diese solidarische Antwort aussieht, kann man sich vorstellen: „gerechte“ Verteilung der Migranten auf die willigen EU-Länder, damit auf den Inseln möglichst schnell Platz gemacht wird für weitere Migranten. Und die warten vermutlich schon auf die nächste Möglichkeit einer Überfahrt. Die „African Development Bank“ prognostizierte im Sommer in einem Bericht, dass alleine im laufenden Jahr 2020 etwa 25 Millionen Afrikaner ihre Jobs verlieren könnten (2). Und von denen werden sicher viele versuchen, in die EU zu kommen, solange das noch geht.

Und so kann die einzig mögliche „solidarische Antwort“ nur lauten: die Länder der EU helfen den Kanaren bei der Rückführung der Migranten in ihre Heimatländer. Und sie unterstützen diese Länder im Rahmen ihrer Möglichkeiten beim Aufbau ihrer Wirtschaft.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.tagesschau.de/ausland/kanaren-migration-101.html
(2) https://www.focus.de/politik/ausland/anstieg-der-migration-um-1-000-prozent-fluechtlingshotspot-auf-den-kanaren-immer-mehr-menschen-waehlen-toedlichste-route_id_12672150.html
(3) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/465919/8

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