Mit 160 kmh in der Innenstadt: Raser Kushtrim M. wegen Mordes verurteilt

Guten Morgen liebe Hessen,

Über Jahrzehnte war das Auto ein Statussymbol der Deutschen. Die soziale Rangfolge machte sich am fahrbaren Untersatz fest, wobei diese im Einzelfall oft nur an Details – wie Auspuff oder Lufteinlassschlitzen – erkennbar war. Den meisten genügte das und kaum jemand hatte das Bedürfnis, die Maximalgeschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs zu demonstrieren – und vor allem nicht in geschlossenen Ortschaften, wo nur 50 km/h erlaubt sind. Das hat sich geändert. Inzwischen ist eine Generation von Fahrern (mit oder ohne Führerschein) herangewachsen, denen die Präsenz des eigenen (bzw. meist geliehenen oder geklauten) Autos nicht ausreicht. Vielmehr müssen sie auch dessen Fahrleistung offen zur Schau stellen – am besten im Wettstreit mit einem Gleichgesinnten. Und das Ganze natürlich ohne Rücksicht auf Verluste und Menschenleben.

Meist handelt es sich dabei um junge Männer, die traumatisiert, diskriminiert und von der Gesellschaft ausgegrenzt sind, daher oft auch Versager in Schule und Beruf. Und da bleibt als einzige Identifikationsmöglichkeit nur ein PS-starkes Fahrzeug –meist nur kurzfristig ausgeliehen, weil die eigenen Mittel nur für ein wenig repräsentatives Fahrzeug reichen würden. Und mit diesem PS-starken Auto sucht man sich dann einen gleichgesinnten Gegner, mit dem man Fahrzeug und Fahrfähigkeit messen kann.

So auch am Ostermontag des Jahres 2019, als sich zwei 22-jährige Männer auf einer Wohnstraße in Moers (NRW) ein illegales Autorennen lieferten. Die beiden Fahrzeuge waren 550 bzw. 600 PS stark. Einer der beiden Fahrer – ein „Duisburger kosovarischer Herkunft“ – beschleunigte seinen geliehenen Mercedes-AMG dabei auf über 160 km/h. Dann geschieht das Unvermeidliche: der Fahrer kracht in das Auto einer 43-jährigen Frau, die wenige Tage später an ihren schweren Verletzungen stirbt. Jetzt stehen die beiden Fahrer vor Gericht. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass dem Raser mögliche Todesopfer „gleichgültig gewesen“ seien, daher lautet die Anklage auf Mord (1).

Die beiden Angeklagten – Kushtrim H. und Ismail S. – sind sich keiner Schuld bewusst. Einer der beiden lässt seinen Anwalt vortragen, sein Mandant sei davon ausgegangen, „dass alles gut gehen würde“ und es nicht zu einem Unfall kommen würde (2). Obwohl er keinen Führerschein besitzt, weil er mehrfach durch die Fahrprüfung gefallen war, dürfte ihm das niemand abnehmen. Auch einem Fußgänger ohne jede Erfahrung im Führen eines Kfz dürfte klar sein, dass niemand ein Fahrzeug in geschlossener Ortschaft mit 160 km/h unter Kontrolle hat.

Der Unfallfahrer Kushtrim H. wurde nunmehr vom Gericht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht hatte festgestellt, dass der Raser den Tod der Frau zumindest für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen habe. Sein Verteidiger dagegen hatte argumentiert, sein Mandant habe darauf vertraut, dass nichts passieren würde (3). Ein richtiges und wichtiges Urteil, das zwar den Unfall nicht ungeschehen macht, aber den Raser seiner gerechten Strafe zuführt und ein klares Zeichen an alle anderen potentiellen Raser sendet. Bleibt zu hoffen, dass das Urteil nicht durch den Bundesgerichtshof aufgehoben wird.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.derwesten.de/region/nrw-moers-raser-22-aus-duisburg-toetet-mutter-43-bei-illegalem-rennen-dieser-satz-vor-gericht-schockiert-id228392589.html
(2) https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-aktuell/monteur-22-fuhr-in-moers-nrw-zweifache-mutter-bei-rennen-tot-68709678.bild.html
(3) https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-aktuell/mutter-totgefahren-raser-22-nach-autorennen-wegen-mordes-verurteilt-68856480.bild.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren