MÖRDERISCHES STRAßENRENNEN AUF A66: In Leistungsgesellschaft gescheiterte „junge Männer“, die sich über PS-starke Autos definieren

Guten Morgen liebe Hessen,

Immer häufiger wird über illegale „Autorennen“ mit tödlichen Folgen für Unbeteiligte berichtet. Am letzten Wochenende fand ein solches Rennen am Mittag auf der A 66 zwischen Wiesbaden und Frankfurt statt. Beteiligt waren zwei Lamborghini und ein Porsche. Einer der Lamborghinis prallte zunächst gegen die Mittelleitplanke und kollidierte anschließend mit einem unbeteiligten Skoda. Beide Fahrzeuge brannten völlig aus. Während sich der Lamborghini-Fahrer fast unverletzt retten konnte, verbrannte der Skoda-Fahrer in seinem Auto (1).

Der Unfallverursacher kam zunächst in ein Krankenhaus und wurde anschließend verhaftet. Es handelt sich dabei um den 29-jährigen „Instagram-Star“ Navid F., in der Szene besser bekannt unter „Navid Alpha“, der auf seinem Account stolz vor seinem (?) Lamborghini Aventador (740 PS) posiert (2). Die beiden anderen Raser flüchteten zunächst vom Unfallort. Der Porschefahrer stellte sich kurze Zeit später der Polizei, der Fahrer des zweiten Lamborghini ist flüchtig und zur Fahndung ausgeschrieben. Es handelt sich dabei um Ramsy Azakir (34), der mit seinem in Dubai zugelassenen Fahrzeug nach dem Unfall flüchtete und es in Hofheim abstellte (3, 4). Die Polizei geht davon aus, dass sich die beiden Fahrer kannten und möglicherweise am Vorabend zu dem Rennen verabredet hatten (5).

Wer genau diese drei Gestalten sind, berichtet die Presse nicht. Aber man kann es sich gut vorstellen: es sind die üblichen „jungen Männer“, die in der Leistungsgesellschaft gescheitert sind oder sich von ihr nicht angenommen fühlen und die sich ausschließlich über ihre PS-starken Fahrzeuge definieren. Das zeigen bereits die zahlreichen Protz-Fotos mit den Fahrzeugen. Und so sind es auch immer wieder diese Gestalten, die sich illegale Rennen liefern und dabei keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen. Und so kommt es bei diesen Rennen nicht selten zu schweren Unfällen mit Verletzten oder Toten.
Das „illegale Rennen“, das sich die drei geliefert haben, ist jedoch mit den üblichen Verkehrsstraftatbeständen aus dem Strafgesetzbuch nicht angemessen zu sanktionieren ist. Denn das Verhalten der Raser ist nicht einfach eine Straßenverkehrsgefährdung oder eine fahrlässige Tötung, sondern hochkriminell und verbrecherisch. Denn wer auf einer öffentlichen Straße ein Autorennen veranstaltet, offenbart, dass ihm Leben und Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer völlig egal ist. Und er beweist mindestens eines der Mordmerkmale: die niedrigen Beweggründe. Denn das Autorenne hat nur eine Funktion: das eigene Versagen in Schule, Beruf und Gesellschaft für einige Minuten zu kompensieren. Und daher gibt es nur eine angemessene Strafe: Verurteilung wegen Mordes bzw. Beihilfe zu Mord, Führerscheinentzug auf Lebenszeit und Abschiebung in das Heimatland nach Verbüßung der Strafe – soweit es sich um einen Ausländer handelt. Besser noch: Verbüßung der Strafe im Heimatland.

Die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die drei Raser wegen Mordverdachts und zeigt damit, dass sie die Situation richtig bewertet. Denn der Bundesgerichtshof hat zuletzt mit Urteil vom 18.06.2020 (4 StR 482/19) festgestellt, dass die Tötung eines Menschen im Zusammenhang mit einem illegalen Autorennen den Tatbestand des Mordes gem. § 211 StGB erfüllen kann. Bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft dann auch Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhebt und das Gericht dem Antrag folgen wird.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/465665/29
(2) https://www.focus.de/panorama/welt/bei-illegalem-autorennen-jetzt-ist-klar-wer-der-todesraser-im-lamborghini-war-instagram-star-navid-alpha_id_12530810.html
(3) https://www.bild.de/bild-plus/regional/frankfurt/frankfurt-aktuell/illegales-autorennen-lamborghini-proll-rast-skoda-fahrer-tot-73356920.bild.html
(4) https://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-aktuell/toedliches-auto-rennen-auf-a66-fahndung-nach-drittem-tatverdaechtigen-73379986.bild.html
(5) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/465671/42

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren