Mohammed-Karikaturen – Behörden knicken vor „Zensur-Mob“ ein

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einem halben Jahr wurde in der Nähe von Paris ein Lehrer auf der Straße von einem Islamisten enthauptet, weil er im Unterricht seinen Schülern Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Empörte Eltern muslimischer Schüler bedrohten den Lehrer, weil dieser „islamophobe“ Ideen im Unterricht verbreitete. Wenige Tage später wurde er ermordet (1).

Die Tat hatte in Frankreich für Empörung und Demonstrationen für die Meinungsfreiheit geführt. Der französische Staatspräsident sagte, Frankreich werde nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen“. Diese Äußerungen hatten in muslimischen Ländern wiederum weltweite Proteste gegen Frankreich geführt. Der türkische Präsident Erdogan sprach von einer „Lynchkampagne gegen Muslime“ und forderte einen Boykott französischer Produkte auf (2). Auch in Pakistan, der Türkei, den Palästinensergebieten, Bangladesch und dem Iran lösten Macrons Äußerungen Entrüstung aus. Die pakistanischen Taliban riefen Muslime weltweit auf, die Beleidigung des Propheten zu rächen. In Bangladesch demonstrierten mehr als 40.000 Menschen gegen Macron und verbrannten Bilder des Präsidenten (3).

Mohammed-Karikaturen sind jedoch schon länger umstritten. Wer immer diese Karikaturen zeichnet, verbreiten oder zeigt, muss mit seiner Verfolgung durch aufgebrachte und „beleidigte“ Gläubige rechnen. Im nordenglischen Batley hatte kürzlich ein Lehrer seinen Schülern im Unterricht die Mohammed-Karikaturen aus der Zeitschrift Charlie Hebdo als Anschauungsmaterial gezeigt. Die Schulleitung reagierte sofort und suspendierte den Lehrer vom Dienst und hatte den betroffenen Schülern und deren Eltern ihre „aufrichtige und vollständige Entschuldigung“ angeboten, da es „völlig unangebracht“ sei, im Unterricht Bilder zu zeigen, die „tief verletzen“ könnten. Das reichte den aufgebrachten Eltern aber nicht. Sie riefen in sozialen Netzwerken zu einer Demonstration zur „Verteidigung der Ehre unseres Propheten Mohammed“ auf. Ein Imam forderte auf, sicherzustellen, dass „so etwas nie wieder geschieht“ (4). Der lokale Muslim-Verein „Purpose of Life“ forderte, dass der Lehrer wegen seines „sadistischen“ Vergehens nie wieder unterrichten dürfe und die „Ramadhan-Stiftung“ aus Manchester bezeichnete das Verhalten des Lehrers als einen „widerwärtigen Angriff gegen den Glauben“. Aufgrund von Todesdrohungen gegen den Lehrer hat er sich auf Empfehlung der Polizei inzwischen mit seiner Freundin an einem geheim gehaltenen Ort versteckt (5).

Ein Tory-Abgeordneter kritisierte die Schulleitung, da es möglich sein müsse, dass Religionen auch „hinterfragt“ werden (4). Die „Free Speech Union“ – eine Gruppe die sich für die Meinungsfreiheit einsetzt – hatte bedauert, dass die Schule vor einem „Zensur-Mob“ eingeknickt sei und den Lehrer suspendiert hat. Damit habe die Schule signalisiert, dass das Zeigen einer Mohammed-Karikatur im Unterricht ein Vergehen sei. Die Schule unterwerfe sich damit dem islamischen Bilderverbot und verletzte ihren Bildungsauftrag einer kritischen Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten und Geboten (5). Die Vorgänge haben jedoch auch deutlich gemacht, dass es in England – ähnlich wie in Frankreich – eine „aggressive Extremistenszene“ gibt, die immer wieder Gewalt hervorbringt. Immer wieder ereignen sich im Land islamistisch motivierte Anschläge, so etwa im letzten Jahr der dreifache Messermord in einem Park in Reading durch einen syrischen Asylbewerber (5). Im Ergebnis werden die Behörden aber auch hier wohl vor den Drohungen einknicken.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/465695/2
(2) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/466444/2-3
(3) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/466459/2-3
(4) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466687/6
(5) https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2021/261170/

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