MULLA CETIN FORDERT: Neues Amt des Beauftragte*n gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit

Guten Morgen liebe Hessen,

Mulla Çetin ist Student aus Potsdam, Mitglied der Jungen Islam Konferenz und Anhänger der Religion des Friedens. Und er macht etwas, was viele seiner Glaubensbrüder in Deutschland machen: er fordert etwas. Genauer: er fordert ein neues Amt für den Kampf gegen den antimuslimischen Rassismus – „eine*n Beauftragte*n gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit“. Denn er will sich einmischen in die gesellschaftliche Debatte über das Bild, das viele nichtmuslimische Deutsche vom Islam haben – genauer: „das Zerrbild“. Denn viele Deutsche überschätzen schon den Anteil der Muslime an der Bevölkerung. Der wird auf 20 Prozent geschätzt, liegt aber – je nach Quelle – bei vier bis sechs Prozent (1).

Woher diese Überschätzung kommt, hat sich Çetin nicht gefragt. Verständlich, denn das Ergebnis könnte lauten: weil Muslime und der Islam ständig in der Presse präsent sind. Jeden Tag liest man in den Zeitungen über Forderungen, die von Muslimen erhoben werden und von fremden Sitten und Gebräuchen – vom Schächten, von Kinder- und Vielehen, von Zwangsehen, von Ehrenmorden und von misshandelten Frauen, die in Frauenhäusern Hilfe suchen. Und natürlich liest man ständig von Muslimen, die sich wegen ihres Glaubens diskriminiert fühlen und immer dann, wenn sie ihren Glaubensregeln nicht uneingeschränkt folgen dürfen, sich durch alle Instanzen klagen.

Und dort auch nicht selten Recht bekommen und Sonderregelungen für Muslime erzwingen: Ausnahmen von der Kleiderordnung, Ausnahmen von der Sargpflicht, Ausnahmen beim Tierschutz, Ausnahmen im Familienrecht, Ausnahmen im Arbeitsrecht, Ausnahmen im Strafrecht u.s.w. Und so entsteht zwangsläufig in der Bevölkerung der Eindruck, dass die Zahl der Muslime größer ist als tatsächlich. Und dass eine Islamisierung in der Gesellschaft stattfindet. Denn Forderungen nach Sonderregelungen für eine Religionsgemeinschaft kennt man eigentlich nur von Muslimen. Selten bis nie liest man etwas von Forderungen von Buddhisten, Hindus oder Konfuzianern. Da gibt es den Sikh, der sich eine Ausnahmegenehmigung für die Helmpflicht beim Motorradfahren erstritten hat, weil er seinen Turban nicht abnehmen will. Aber das wars dann auch schon. Die zahlreichen Forderungen von Muslimen sind aber ständig präsent.

Und natürlich hat auch Mulla Çetin schon Anfeindungen erlebt. Er kennt die Diskriminierung und Benachteiligung bei Jobbewerbungen oder bei der Wohnungssuche. Dass eine Ablehnung bei der Bewerbung um eine Stelle oder eine Wohnung auch andere Gründe als die Religion des Bewerbers haben könnte, kann sich Çetin offensichtlich nicht vorstellen. Und so verlangt er das Recht, „unvoreingenommen betrachtet zu werden“ (1).

Nein – ein solches Recht gibt es nicht. Wer sich einer Religionsgemeinschaft anschließt, muss es hinnehmen, dass andere ihn mit dieser Religion identifizieren. Und er muss es hinnehmen, dass andere diese Religion ablehnen, weil deren Praktiken unserem Werteverständnis und unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung widersprechen. Und er muss es hinnehmen, dass andere seine Forderung ablehnen, gegen die Kritik an archaischen und unmenschlichen Praktiken vorzugehen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/465603/10-11

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