Nach Alarm der Anti-Diskrimierungsexperten: Corona-Varianten umbenannt

Guten Morgen liebe Hessen,

Stigmatisierung und Diskriminierung sind die Geißeln der Menschheit. Und so muss inzwischen alles vermieden werden, was möglicherweise stigmatisierend oder diskriminierend sein kann oder von irgendeinem subjektiv Betroffenen so empfunden werden kann. Und so sind seit langem Begriffe wie „Neger“, „Mohr“, „Indianer“ oder „Eskimo“ gesellschaftlich geächtet. Aber die Sprachbehörden sind nunmehr auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fündig geworden. Denn da ist immer wieder von den verschiedenen Mutanten die Rede, die meist nach dem Ort oder Land ihres ersten Auftretens benannt sind: Südafrika-Variante, England-Variante oder Brasilien-Variante. Eigentlich ein übliches Verfahren. Viele Infektionen – und teilweise auch andere Erkrankungen – werden nach dem Ort der Erstbeobachtung benannt, wie z.B. Spanische Grippe oder Hongkong-Grippe.

Das soll jetzt aber nicht mehr politisch korrekt sein. Denn die WHO hat für die verschiedenen Corona-Mutanten neue Bezeichnungen vorgeschlagen, die nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt werden: Alpha, Beta, Gamma usw. Ziel ist es, eine Stigmatisierung und Diskriminierung der Länder zu verhindern, in denen die jeweiligen Mutanten zuerst beobachtet wurden (1). So wird die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7 nun mit Alpha bezeichnet, die in Südafrika entdeckte Variante B.1 351 mit Beta, die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1 mit Gamma und die in Indien gefundene Variante B.1 617.2 mit Delta. Die WHO begründete dies damit, dass die bisherige Bezeichnung – z.B. britische oder indische Variante – einen „Abwehrreflex gegen Menschen auslösen kann, die aus diesem Land kommen“. Wenn Viren oder Erkrankungen nach Orten benannt würden, könnten sich Menschen davon distanzieren. Das – so Nilu Ahmed, Psychologin an der Universität Bristol – übertrage „Schuld auf die anderen und erlaubt denen, die das Narrativ nutzen, sich als Opfer zu inszenieren“ (2).

Daher sollen die Virusvarianten zukünftig mit „neutralen Bezeichnungen“ wie den griechischen Buchstaben benannt werden. Ob diese Bezeichnung jedoch tatsächlich neutral ist, ist fraglich. Denn wenn nunmehr alle Virusvarianten mit griechischen – und nicht etwa lateinischen, kyrillischen oder arabischen – Buchstaben bezeichnet werden, assoziiert der Betrachter das Corona-Virus zwangsläufig mit Griechenland. Nach der Logik der WHO und ihrer Psychologin überträgt sich damit die „Schuld auf die anderen“ – vorliegend also auf die Griechen. Und das betrifft nicht nur einzelne Virusvarianten, sondern alle. Das bürdet den Griechen – neben der wirtschaftlichen und finanziellen Misere des Landes und der Belastung durch die aus der Türkei kommenden Flüchtlinge – eine weitere Last auf. Ob das besser ist als die bisherige Bezeichnung, darf bezweifelt werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/467055/2

(2) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/469266/8-9

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