Nach Bürgerbüro, Bürgertelefon und Bürgerbefragung: „Bürger Iftar“ in Frankfurt

Guten Morgen liebe Hessen,

vor einigen Tagen erhielt ich einen Brief unseres Oberbürgermeisters Peter Feldmann. Das ist nichts Ungewöhnliches. Als Stadtverordneter erhält man öfter einen Brief des OB. Meist teilt er einem etwas wichtiges mit (z.B. dass er irgendwo eine neue Schultoilette eingeweiht hat) oder er lädt einen ein. Diesmal war es eine Einladung zum Besuch des „Bürger-Iftar“.

Was soll das sein ? Ich kenne das Bürgerbüro, das Bürgertelefon und die Bürgerbefragung. Aber „Bürger-Iftar“ war mir neu. Der Text der Einladung schaffte Klarheit. Dort verkündete der OB, dass es ihm ein besonderes Anliegen sei, „die wichtigen Botschaften des Fastenmonats Ramadan stärker für alle zu öffnen“ – also auch für mich.

Aber was sind die wichtigen Botschaften des Fastenmonats ? Die Antwort gibt – wie so oft – Wikipedia. Dort steht, dass die zentrale Botschaft des Fastenmonats Ramadan die „Herabsendung des Korans als Rechtleitung für die Menschen“ sei. Alles klar. Aber warum wird diese Botschaft vom Oberbürgermeister einer hessischen Großstadt verkündet ? Die Aufgaben eines OB sind in der Hessischen Gemeindeordnung klar definiert: er leitet den Gemeindevorstand und die Verwaltung der Stadt. Von Verkündung einer Botschaft steht dort nichts. Und von Ramadan auch nicht.

In diesem Fastenmonat Ramadan wird – wie der Name schon sagt – gefastet. Und zwar den ganzen Tag, d.h. von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Im Winter geht das noch, aber im Sommer kommen da bis zu 18 Stunden zusammen. Und Fasten heißt nicht nur nichts essen, sondern auch nichts trinken. Und das fällt im Sommer schwer, insbesondere wenn es heiß ist.

Und nicht nur das, es ist auch ungesund. Regelmäßig während der Sommermonate warnen die Ärzte davor, zu wenig zu trinken. Wenn es richtig heiß ist, soll man über den Tag verteilt 2 bis 3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Wenn man das nicht macht, droht schnell eine gefährliche Dehydrierung, die vor allem für ältere Personen und für Kinder gefährlich sein kann und im Extremfall auch tödlich enden kann.

Und genau dafür möchte uns der OB „alle stärker öffnen“: für die Nahrungs- und Flüssigkeitsabstinenz bis zur lebensbedrohlichen Dehydrierung. Was treibt den OB zu solchen Ratschlägen ? Man kann nur spekulieren. Seine Unkenntnis über einfache medizinische Zusammenhänge kann man ihm wohl nicht vorwerfen. Woher soll er die auch haben ? Wahrscheinlich liest er nicht einmal die Apotheken-Umschau.

Was er aber sicher liest, ist die SPD-Postille „Vorwärts“. Da steht zwar nichts vom Fasten drin, aber dafür immer mehr schlechte Botschaften: Wann wird die SPD einstellig ? Woher sollen neue Wähler kommen, wenn die alten alle wegsterben und die übrigen zur AfD wechseln ? Wen kann man heute noch motivieren, die SPD zu wählen ? Auf diese Fragen gibt es kaum Antworten. Die Rettung könnten die vielen Zuwanderer, die in ihrer neuen Heimat auf der Suche nach einer Partei sind, die sie wählen können. Eine Partei, die auch ihre Interessen vertritt. Und dazu könnte auch die Verbreitung der Botschaft des Fastenmonats gehören.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

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