Nach Falschmeldung über Impfnebenwirkungen – BKK-Chef entlassen

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einigen Tagen verbreiteten die Medien eine Alarmmeldung über ein „Underreporting“ von Impf-Nebenwirkungen. Der Vorstand der Krankenkasse BKK ProVita – Andreas Schöfbeck – behauptete, dass die Gesamtzahl der Nebenwirkungen um ein Vielfaches höher liege, als die, die durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet werden. Er führte dazu aus, dass alleine bei seiner Krankenkasse 400.000 Arztbesuche wegen Impfkomplikationen abgerechnet worden seien – hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung würde dies drei Millionen Fällen entsprechen. Demgegenüber habe das Paul-Ehrlich-Institut nur etwa 250.000 Fälle erfasst – also weniger als zehn Prozent.

Die Meldung war natürlich Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Impfgegner. So meldete sich sofort Christian Klingen, AfD-MdL im bayerischen Landtag, zu Wort und forderte die Bundesregierung auf, „die wahren Zahlen aufdecken und die Menschen zu entschädigen“. In einer Pressemitteilung ließ er verlauten: „Wer die Sicherheit der Impfstoffe in Frage stellte, galt in Politik und Medien schnell als ‚Verschwörungstheoretiker‘ und ‚Covidiot‘. Auch die AfD wurde ständig beschimpft, weil sie vor möglichen Nebenwirkungen warnte und die Sicherheit der Bürger in den Mittelpunkt stellte. Nun zeigt sich, dass es tatsächlich weitaus mehr Impfnebenwirkungen gab, als vom PEI erfasst wurden. Zehnmal mehr Menschen wurden geschädigt! Das Vertrauen in ‚offizielle‘ Zahlen ist wieder einmal nachhaltig erschüttert worden“ (2).

Auffällig ist, dass sich zum Thema Nebenwirkungen vor allem diejenigen zu Wort melden, denen offensichtlich jede Fachkenntnis fehlt. Dabei ist es in vielen Fällen unklar, ob hinter den Behauptungen einfach nur Unkenntnis oder hinterlistige Täuschungsabsicht steckt. So auch hier. Denn die Meldung der BKK ist völliger Unsinn, da sie zwei unterschiedliche Bereiche vermischt. Die Krankenkassen-Daten beruhen auf der ärztlichen Diagnose-Codierung mit ICD-Codes zum Zwecke der Abrechnung. Dabei werden alle Arztbesuche erfasst, bei denen der Patient den Arzt wegen unerwünschter Impfreaktionen aufsucht. Das kann eine Schwellung der Einstichstelle, Schmerzen in diesem Bereich oder auch eine Allgemeinreaktion wie Fieber sein. Die Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut betreffen jedoch nur diejenigen Fälle, bei denen die Nebenwirkungen „über das übliche Maß hinausgehen“. Letztere machen naturgemäß nur einen Bruchteil aller Nebenwirkungen aus. Insoweit ist ein Wert von etwa 10 Prozent durchaus zu erwarten.

Für die Frage der Nutzen-Risiko-Abwägung sind jedoch nur schwerwiegende Nebenwirkungen relevant – also solche, die z.B. eine spezifische Behandlung erfordern oder dauernde Schäden hinterlassen. Die wesentlichen häufigeren typischen Reaktionen – wie etwa Schmerzen an der Einstichstelle oder leichtes Fieber – sind für diese Beurteilung ohne Bedeutung. Für militante Impfgegner sind solche Meldungen – wie von der BKK – willkommener Anlass, um die Bevölkerung zu verunsichern und – ohne jeden konkreten Anlass – negative Stimmung zu verbreiten. Immerhin hat die BKK das einzig richtige unternommen: sie hat den Vorstand Schöfbeck umgehend aus seiner Position entfernt (3).

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/gesundheit/mehr-impf-nebenwirkungen-als-bekannt-krankenkassen-daten-sorgen-fuer-diskussionen_id_58570561.html

(2) https://www.presseportal.de/pm/161099/5156974

(3) https://www.br.de/nachrichten/wissen/bkk-verbreitet-irrefuehrende-zahlen-zu-impfnebenwirkungen,SyShuY4

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