Nach Schätzungen benötigen 30% der „Geflüchteten“ einen Therapieplatz

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich meldete der Focus unter der Überschrift „Flüchtlingsberater schlagen Alarm“ über „tausende traumatisierter Flüchtlinge“, die keinen Therapieplatz bekommen (1). Gemeint sind Asylbewerber, die z.B. aus Syrien oder Afghanistan unter Durchquerung zahlreicher Länder nach Deutschland geflüchtet sind und dort traumatisiert ankommen. Was konkret unter „Traumatisierung“ zu verstehen ist und wie es zu dieser Traumatisierung kam, bleibt dabei offen. Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) beklagt, dass seit 2013 Beratungsstellen jährlich mehrere tausend Menschen abweisen mussten (1).

Sie behauptet, für „traumatisierte Geflüchtete“ werde „in Deutschland zu wenig getan“. Es konnten zwar mit über 21.000 Personen doppelt so viele versorgt werden wie noch 5 Jahre zuvor. Aber im selben Zeitraum hat sich die Anzahl der Geflüchteten verdreifacht. Die BAfF schätzt, dass bei etwa 30 % der in Deutschland lebenden Geflüchteten ein Behandlungsbedarf besteht oder zumindest abgeklärt werden müsste. „Wir haben gehofft, dass sich das reguläre Gesundheitssystem mehr für geflüchtete Menschen öffnet und traumatisierte Flüchtlinge auch vermehrt von niedergelassenen Psychotherapeut*innen aufgenommen werden“, so eine der beiden Autorinnen des Versorgungsberichts. „Nach 5 Jahren sehen wir hier aber nur wenige Verbesserungen“ (2).

Nach den Gründen fragen die Autorinnen nicht. Die liegen aber klar auf der Hand: in einem Land (Deutschland) mit begrenzter Bevölkerung und begrenzten finanziellen Mitteln gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Psychotherapeuten. Und deren Zahl ist begrenzt, weil es nur eine begrenzte Zahl an Ausbildungsstätten und an Ausbildern gibt. Und die Anzahl von Psychotherapeuten in einem Land orientiert sich am Bedarf in diesem Land. Dieser Bedarf berechnet sich aus der Bevölkerung und deren durchschnittlichem Behandlungsbedarf. Es ist einsichtig, dass die Zahl der Psychotherapeuten für Millionen zusätzliche Personen mit hohem Behandlungsbedarf (30 %) nicht ausreichend ist. Und ebenso ist es einsichtig, dass die Anzahl auch nicht einfach erhöht werden kann, weil weder das Geld noch die Ausbildungsstätten vorhanden sind.

Diese Zusammenhänge sind den Autorinnen aber wohl völlig fremd. Sie fordern offensichtlich – wie viele andere „Flüchtlingshelfer“ – Leistungen, die weit über das hinausgehen, was der Staat und die Solidargemeinschaft leisten können. Dabei werden im Einzelfall im Asylbereich bereits heute Leistungen erbracht, die weit jenseits dessen sind, was die Solidargemeinschaft – jedenfalls auf Dauer – erbringen kann.

So befasste sich kürzlich das zuständige Landgericht im Rahmen eines Sicherungsverfahrens mit dem Fall eines 36-jährige syrische Asylbewerber, der zwischen Mai 2018 und Februar 2019 in einer Landshuter Flüchtlingsunterkunft untergebracht war und dort zum „Alptraum seiner Mitbewohner“ wurde. Der geistig behinderte Mann, dem der psychiatrische Gerichtsgutachter den geistigen Entwicklungsstand eines sechs- bis neunjährigen Kindes bescheinigte, kann Konfliktsituationen nur durch „Schreien, Schlagen, Spucken und mit Tellern werfen“ bewältigen. Das Gericht entschied, dass er zwangsweise untergebracht werden muss, da er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle – Kosten etwa 10.000 Euro pro Monat für die Solidargemeinschaft (3). Auf die Frage, wie es ein geistig Behinderter auf dem Entwicklungsstand eines sechs- bis neunjährigen Kindes geschafft hat, von Syrien nach Deutschland zu gelangen und hier einen Asylantrag zu stellen, soll hier nicht eingegangen werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/politik/deutschland/fluechtlingsberater-schlagen-alarm-tausende-abgewiesen-traumatisierte-fluechtlinge-bekommen-keinen-therapieplatz_id_11338164.html
(2) http://www.baff-zentren.org/news/fuer-traumatisierte-gefluechtete-wird-in-deutschland-zu-wenig-getan/
(3) https://www.zuwanderung.net/2019/11/07/der-1-1-millionen-euro-teure-fluechtling/

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