Nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: Kükenschreddern umgehend beenden !

Guten Morgen liebe Hessen,

rund 12 Milliarden Eier landen jährlich in den Einkaufskörben deutscher Verbraucher. Gelegt werden sie von rund 40 Millionen Legehennen. Es handelt sich hierbei um sogenannte Hybridhühner, die speziell für einen Einsatzzweck, in diesem Fall eine hohe Legeleistung, gezüchtet wurden. Im Rahmen der Industrialisierung kam es zur Entwicklung großer Zuchtanlagen und einer entsprechenden Trennung von Lege- und Mastrassen.

Männliche Küken aus diesen Zuchtanlagen sind unwirtschaftlich, da sie keine Eier legen und als Masthähnchen ungeeignet sind. Sie werden daher als sogenannte „Eintagsküken“ direkt mit einer Art Häcksler getötet (geschreddert).

Nachdem das Bundesland NRW diese Praxis untersagt hatte, zogen zwei Legebetriebe vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht hat nunmehr das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht vorerst noch als rechtmäßig bestätigt – jedenfalls bis zur Einführung von alternativen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei (BVerwG 3 C 28.16 und 3 C 29.16).

Obwohl das Gericht der Ansicht ist, dass wirtschaftliche Interessen für sich genommen kein „vernünftiger Grund“ für das Töten der männlichen Küken ist, bleibt dieses Töten weiterhin erlaubt. Das Gericht vertritt die Auffassung, dass den betrieben eine sofortige Umstellung ihrer Praxis nicht zugemutet werden kann.

Hier hat das Gericht eindeutig wirtschaftliche Interessen vor das als Staatsziel definierte Tierwohl gestellt. Auch wenn von einem Betrieb eine sofortige Umstellung möglicherweise nicht verlangt werden kann, hätte das Gericht hier allenfalls zumindest eine (sehr kurze) Übergangsfrist zulassen dürfen.

Denn es stehen den Betreibern der Anlagen durchaus Alternativen zur bisherigen Praxis zur Verfügung. Ein „In-Ovo“ Verfahren würde ein Töten der Tiere überflüssig machen. Hierbei wird bereits im Eistadium das Geschlecht erkannt und männliche Tiere würde nicht weiter ausgebrütet werden. Eine weitere Lösung könnte die Förderung der Haltung von „Zwei-Nutzungs-Hühnern“ darstellen. Hierbei wird bei der Zucht nicht einseitig auf Lege- oder Schlachtleistung selektiert, sondern auf ein ausgeglichenes Verhältnis, sodass die Nutzung der weiblichen Küken als Legehennen und der männlichen Küken zur Mast ermöglicht wird.

Daher ist nunmehr der Gesetzgeber gefragt, die bisherige Praxis schnell und wirksam zu unterbinden.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

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